IG Metall
Kommentar: Machtlose Mitglieder

Die Mitglieder der IG Metall nutzen das letzte demokratische Mittel, das ihnen nach dem faulen Kompromiss einer Tandemspitze aus den beiden widerstreitenden Lagern bleibt, und stimmen mit den Füßen ab.

Wenn die Führung der IG Metall keine persönlichen Konsequenzen zieht, dann tun es eben die Mitglieder. Sie nutzen das letzte demokratische Mittel, das ihnen nach dem faulen Formelkompromiss einer Tandemspitze aus den beiden widerstreitenden Lagern bleibt, und stimmen mit den Füßen ab. Dabei trifft die dramatische Austrittswelle die IG Metall ausgerechnet zu einer Zeit, in der die Arbeitnehmer wegen der Konjunkturkrise und des drohenden Verlusts ihres Arbeitsplatzes eine Gewerkschaft eigentlich gut gebrauchen könnten. Dass sie ihr trotzdem den Rücken kehren, zeigt, wie groß die Frustration über den internen Machtkampf und eine wirklichkeitsfremde Gewerkschaftspolitik unter den Mitgliedern inzwischen ist.

In einem Unternehmen würde nach solch einem Akzeptanzverlust bei den Kunden die Führungsriege ausgewechselt. In der IG Metall qualifiziert sich für die Spitze, wer am beharrlichsten alle Rücktrittsforderungen ignoriert. Wie der designierte Chef Jürgen Peters und sein möglicher Vize Berthold Huber die Gewerkschaft aus ihrer inhaltlichen Orientierungslosigkeit führen wollen, ist dabei völlig unklar. Ihre Ankündigung, man wolle jetzt zur Sachpolitik zurückkehren, ist so allgemein, dass sie nur als der krampfhafte Versuch gewertet werden kann, die inhaltlichen Differenzen der beiden Führungsköpfe bis zum Gewerkschaftstag Ende August unter der Decke zu halten.

Viele Mitglieder haben auf solche Kungellösungen offensichtlich keine Lust mehr. Ob das aber etwas ändert, ist zweifelhaft. Denn die IG Metall ist so reich, dass sie ihre Mitglieder und deren Beiträge eigentlich nicht braucht. Die Funktionäre können noch jahrzehntelang ungerührt ihre Sandkastenspielchen weiterspielen. Der Letzte macht dann das Licht aus.

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