In der heißen Wahlkampfphase wirbt die SPD mit einem Argument: Schröder
Die Partei des Kanzlers

Der Kanzler blickt besorgt in die Ferne. "Wer Frieden will, muss standhaft sein", erläutert eine Textzeile. Direkt daneben hat Gerhard Schröder das Sakko abgelegt und die Faust kraftvoll geballt. "Wer Gerechtigkeit will, muss das Soziale sichern", lautet die Botschaft dieses Plakats.

HB BERLIN.Sechs Wochen lang hat die SPD die Passanten in den Straßen mit einer asketischen Bildsprache abgespeist. Die umbrafarbenen Großflächentafeln sollten allein mit typografischen Elementen überzeugen. Nun wirft die Partei in der zweiten Etappe ihr stärkstes Pfund in die Waagschale: "Jetzt steht der Bundeskanzler im Mittelpunkt", kündigte Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel an. Ab dem Wochenende soll das Konterfei überlebensgroß von 15 000 Plakatwänden blicken: "Kämpferisch, werbend, argumentierend", wie Wasserhövel erläutert.

Eine stärkere öffentliche Mobilisierung haben die Genossen dringend nötig. Denn trotz der Pannenserie bei der Union hat die SPD in jüngsten Umfragen gerade mal einen Prozentpunkt auf 29 oder 30 Prozent zugelegt, während die Union eisern ihre 42 Prozent verteidigt. Es sei "zu kurz gesprungen, nur auf die Umfragen zu schauen", macht Wasserhövel der eigenen Klientel Mut. Schließlich habe sich die Hälfte der Wähler noch nicht entschieden. Und genau diese Unentschlossenen müsse man nun mit verstärkter Ansprache erreichen.

Die rationalen Argumente der Partei auf Plakaten und in Werbefilmen kreisen um die Friedenspolitik, die Sozialreformen, die Sicherung des Kündigungsschutzes oder den Atomausstieg. Auf der emotionalen Ebene aber wird nur ein einziges Element eingesetzt: der Kopf des Kanzlers. Im Privatfernsehen wird sich Schröder sogar in einer direkten Ansprache 30 Sekunden lang an die Zuschauer wenden, die nach seinen Worten darüber entscheiden, ob Deutschland "auf dem richtigen Weg" bleibt: "Dafür stehe ich."

Der Spot im öffentlich-rechtlichen TV listet ein halbes Dutzend Kriterien auf, die ein Regierungschef erfüllen muss. "Damit Gerhard Schröder Bundeskanzler bleibt: Am 18. September SPD", so die Schlussfolgerung. Die Argumentation scheint einigermaßen gewagt, weil derzeit wenig darauf hindeutet, dass die SPD die Union am Wahlabend überflügelt. Nur in dieser Konstellation gäbe es für Schröder aber eine Chance, seinen Job zu behalten.

Das Dilemma ahnen wohl auch die SPD-Strategen. Im Kino setzen sie abweichend von ihrer sonstigen Strategie auf eine reine Negativkampagne. Eine kleine Ewigkeit wird ein unbewegtes Bild mit dem griesgrämig dreinblickenden Trio Merkel, Stoiber und Westerwelle gezeigt. Im Hintergrund tickt nervig ein Wecker. "40 Sekunden sind Ihnen schon zu lang?", fragt schließlich eine Stimme: "Dann SPD!"

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