Internet
Zeitungsjunge Google

Die Suchmaschine wird zum Zeitungsjungen. Der Webgigant Google hilft seinen Werbekunden dabei, Anzeigen in klassischen Tageszeitungen zu buchen. Darunter sind so illustre Namen wie die „New York Times“ oder „Washington Post“.

Zuerst dürfen es nur 100 handverlesene Kunden versuchen. Aber das sollte nicht täuschen. Der Vorstoß birgt Brisanz.Zum einen, weil Google offensichtlich bereit ist, erhebliche Kompromisse gegenüber einer Branche zu machen, die man vor wenigen Jahren einfach nur noch als eine Ansammlung sterbender Dinosaurier belächelt hat.

Denn die Zeitungen dürfen – zumindest in der laufenden Testphase – bei den Anzeigenauktionen auf dem Google-Werbenetzwerk Mindestpreise festsetzen. Und sie dürfen selber entscheiden, welche Anzeigen sie letztlich annehmen und welche nicht. So weit hat sich Google von Werbepartnern noch nie das Heft aus der Hand nehmen lassen. Google hat gute Gründe, ein Friedensangebot zu machen. Schließlich haben gerade viele seiner Online-Werbekunden bislang nur bei Google geworben und nirgendwo anders. Wenn diese Firmen wachsen und ihren Marketing-Mix ausweiten wollten, mussten sie dafür Google bislang zwangsläufig verlassen. Jetzt bleiben sie unter der Kontrolle des bunten Riesen.

Zum anderen wird die zaghafte Annäherung der beiden Mediengattungen Print und Internet den Druck jetzt auf einen Dritten verlagern: die klassischen Mediaagenturen und traditionellen Mittelsmänner zwischen Werbetreibenden und Werbeträgern. Sie werden sich auf lange Sicht noch stärker als bisher auf das Beratungs-, Service- und Konzeptgeschäft konzentrieren müssen, wenn sie beim Verkauf der eigentlichen Anzeigen außen vor bleiben. Genau das bahnt sich hier an.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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