Kampf gegen den Terror
Ein neuer Weltkrieg

Nach dem feigen Kindermord von Beslan kehrt ein Begriff in die internationale Debatte zurück, der außerhalb der USA kaum noch zu hören war: Krieg gegen den Terror. Nicht nur der russische Präsident spricht von einer islamistischen Kriegserklärung. Aufhorchen lässt eine Erklärung des römischen Kardinals Renato Martino: Der Vorsitzende des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden vergleicht den Kampf gegen den Terror mit einem „vierten Weltkrieg“.

Als George W. Bush den Begriff nach den Anschlägen vom 11. September 2001 prägte, stieß er bei sehr vielen Europäern auf völliges Unverständnis. Genau drei Jahre später wiederholt sich diese Abgrenzung noch schroffer, dieses Mal gegen Putin: Die meisten Deutschen ziehen aus dem Blutbad von Beslan den Schluss, dass sich der Terrorismus mit Gewalt allein nicht beenden lässt. Das stimmt – aber auch das Gegenteil stimmt: Ohne vollen Einsatz staatlicher Gewalt würde sich Tschetschenien endgültig in einen „failing state“ verwandeln, eine Operationsbasis für Terroristen.

Vielleicht können die Worte aus dem Vatikan zu einer produktiveren Diskussion beitragen. Richtig ist: Die Herausforderung ist ähnlich groß wie in einem Krieg. Der Terrorismus erfordert die gleiche Entschlossenheit, die gleiche Anstrengung und vor allem die gleiche Hartnäckigkeit über einen sehr langen Zeitraum. Anders als bei einem rein militärischen Konflikt braucht der Westen aber eine Gesamtstrategie mit militärischen und friedlichen Mitteln wie im Kalten Krieg mit der Sowjetunion. Bush selber hat kürzlich verdeutlicht, dass er den Krieg gegen den Terror nicht einfach als Waffengang sieht. Auch heute geht es um die Fortsetzung der Politik, wenn auch mit anderen Mitteln.

Auch deshalb darf die Antwort auf den Terror niemals Gegenterror sein. Putin scheitert in Tschetschenien nicht, weil er einen entschlossenen Krieg gegen die Terroristen führt. Der Präsident ist nicht zu stark, sondern zu schwach und zu wankelmütig: Eine politische Flankierung fehlt, seine Truppen sind ihm längst aus den Händen geglitten. Tschetschenien – das ist Abu Ghraib als Dauerzustand. Mit einer marodierenden Soldateska kann man keinen Krieg gewinnen – auch nicht den Krieg gegen den Terror.

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