Kein neuer Cäsar
Google in Verteidigungsnöten

Kommt die Sprache auf Google, fühlt man sich sehr schnell an die Berichte von Cäsar erinnert. Schlägt das Unternehmen zu, zittert die gesamte Konkurrenz vor Respekt und aus Angst um den eigenen Platz in der Web-Welt. So scheint es jedenfalls. Doch die Realität sieht anders aus. Eine Analyse.

MOUNTAIN VIEW. Das Unternehmen Google aus dem kalifornischen Mountain View ist kein neuer römischer Feldherr, den es unzähmbar jenseits der eigenen Grenze zieht und der neue Gebiete mit Erfolg erobert. Das Unternehmen gleicht viel mehr einem erfolgsverwöhnten König, der angesichts der massiv auflaufenden Belagerungskräfte zu einer eindrucksvollen Verteidigungsinitiative geblasen hat.

Dieses Urteil mag überraschen, schließlich stand und steht Google immer noch für eine der erfolgreichsten Wachstumsgeschichten in der Internetwirtschaft. Allein im vergangenen Jahr schnellte der Umsatz um 70 Prozent in die Höhe, verdoppelte sich der Nettogewinn. Seitdem die beiden Gründer Sergey Brin und Larry Page 2004 den Gang auf das Börsenparkett wagten, hat sich der Kurs der Google-Aktie verfünffacht.

Sehen so Verteidiger aus? Ja, und so paradox es klingen mag: Den Beweis liefert ausgerechnet der jüngste Coup des Google-Managements, nämlich die Übernahme des Werbe-Spezialisten Doubleclick. Der Deal markiert einen Strategiewechsel. Statt sich mit den üppig verfügbaren Mitteln neue Standbeine aufzubauen, stärkt Google sein Kerngeschäft, besser gesagt, verteidigt es. Für einen immer noch recht jungen Internetkonzern, der doch eigentlich von Innovationen getrieben sein sollte, ist das ein entlarvendes Signal.

Zwar bietet die Platzierungstechnologie von Doubleclick die Chance, in das von Google noch nicht besetzte Geschäft mit der grafisch aufwendigen Display-Werbung einzusteigen. Deshalb hat der Deal eine Logik. Doch am Ende reden wir hier von Internetwerbung, also von der Ergänzung einer bestehenden Sparte.

Dass Google bereit ist, dafür drei Milliarden Dollar hinzublättern, ist nichts als ein weiterer Beleg für die Verteidigungsnöte. Der Eindruck, Google habe mit dem Deal den Softwareriesen Microsoft ausgestochen, ist eine verzerrte Realität. Mit seiner Kriegskasse hätte die Gates-Company beim Preis den Suchmaschinen-Rivalen locker übertrumpfen können. Hat er aber nicht, was zu der Frage nach dem Warum führt.

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