Kiekert
Dringender Weckruf

Angesichts der Nachricht dürfte der eine oder andere gestern hämisch ins Fäustchen gelacht haben: Der Finanzinvestor Permira gibt beim Automobilzulieferer Kiekert auf. Sind die Finanzinvestoren am Ende doch keine Heilsbringer, sondern gefräßige Heuschrecken?

Das eine ist so falsch wie das andere. Natürlich ist Permira mit dem Engagement bei Kiekert gescheitert. Das Investment ist abgeschrieben. Doch gehören zu einem vollständigen Bild weitere Fakten. Dazu zählt der Hinweis, dass Kiekerts aktuelle Probleme finanzieller und nicht operativer Natur sind. Das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen. Es ist bei fast allen wichtigen Autokonzernen als Lieferant im Boot. Hinzu kommen sehr spezifische Gründe, etwa der Verlust des wichtigen Kunden Ford, nachdem sich das Kiekert-Management einen wochenlangen Streit mit dem Automobilkonzern und sogar einen Lieferstopp geleistet hatte.

Doch sollten die Finanzinvestoren all dies nicht als einfache und angenehme Ausflucht nutzen. Kiekert zeigt, dass auch die allgegenwärtigen Finanzinvestoren die ökonomischen Grundregeln nicht aushebeln können. Eine bis an die Grenzen ausgereizte Schuldenlast bringt jede Firma schnell in eine Schieflage, ob nun in der Hand von Gründern oder von Private-Equity-Managern. Kiekert ist ein Weckruf zur richtigen Zeit. Angesichts der günstigen Zinsen haben manche Investoren bei der Finanzierung die wirtschaftlichen Relationen aus den Augen verloren. Schon fürchten Experten in den kommenden Jahren massive Ausfälle. Das wäre für die Private-Equity-Branche schlimm, für die Geld gebenden Banken aber wäre es ein echtes Desaster. Sie sind mit ihren aggresiven Finanzierungen einer der Treiber des aktuellen Private-EquityBooms – und könnten damit mächtig auf die Nase fallen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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