Kommentar
Abkühlung mit Ansage

Das Wachstum in den Bric-Ländern schwächelt. Die Krise im Westen trifft auch diese Staaten. Aber die Abkühlung ist keineswegs schlecht. Die Wachstumstreiber müssen jetzt ihr Geschäftsmodell korrigieren. Ein Kommentar.
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Jahrelang sind die Bric-Länder stürmisch gewachsen, obwohl die klassischen Industriemächte USA, Japan und Euro-Zone tief in der Krise steckten. Nun müssen die aufstrebenden Wirtschaftsmächte dem Niedergang der alten Mächte doch noch Tribut zollen. Die Binnenachfrage der Schwellenländer ist trotz wachsender Mittelschichten nicht stark genug, um auf Dauer die Nachfrageschwäche auf den westlichen Märkten zu kompensieren.

Noch dazu machen die alten Industrieländer den neuen das Leben mit einer beispiellosen Geldschwemme schwer. Die Flut billigen Geldes, ausgeschüttet zur Stabilisierung der westlichen Finanzmärkte, sucht zu einem großen Teil in den wachstumsstarken Schwellenländern nach interessanten Anlagemöglichkeiten. Das treibt dort mal die Immobilienpreise und mal die Wechselkurse in die Höhe und macht den Regierungen den Kampf gegen Inflation und Überhitzung schwer. Kurz gesagt: Die Krise im Westen und seine Methoden der Krisenbekämpfung drücken letztlich das Wachstum in den Bric-Ländern - so unterschiedlich die Lage in Brasilien, Russland, Indien und China im Einzelnen ist.

Der Anteil, den die Bric-Länder am weltweiten Wachstum haben, dürfte deshalb seinen Höhepunkt überschritten haben. Er wird aber hoch bleiben. Außerdem drängen andere Schwellenländer nach und werden immer stärker zum globalen Wachstum beitragen. Das ist eine gute Nachricht. Auch die Abkühlung in den Bric-Ländern ist nicht nur schlecht. Es wäre eine Katastrophe für die Weltwirtschaft, wenn Chinas Aufstieg mit einem ähnlichen Knall enden würde wie der Japans vor zwanzig Jahren - mit dem Platzen einer riesigen Immobilienblase etwa. Ein nachhaltigeres Wachstum ist besser.

Die Schwellenländer, die voranmarschiert sind und nun eine führende Rolle in der Weltwirtschaft beanspruchen, müssen ihr Geschäftsmodell überarbeiten. Russland ist zu stark von Rohstoffen abhängig, China zu sehr von Exporten, Brasilien muss um die Wettbewerbsfähigkeit seiner Industrie bangen und Indien muss die Infrastruktur erneuern, ohne sich noch höher zu verschulden. Das nächste Kapitel der Umwälzung der Weltwirtschaft hat begonnen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

Kommentare zu " Kommentar: Abkühlung mit Ansage"

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  • Nein, neben dem quantitativen Wachstum gibt es auch ein qualitatives Wachstum. Natürlich bringt es keinen Sinn immer mehr Autos und Wohnungen zu bauen wenn keine entsprechende Nachfrage da ist. Wozu braucht zum Beispiel ein Spanier zwei Wohnungen, wenn er arbeitslos ist? Welchen Sinn bringt das Wachstum in München, wenn dafür woanders ganze Landstriche veröden und von Bayern subventioniert werden müssen? Die Zuwanderung nach München macht den Wohnraum knapp und teuer. Die überdehnte Infrastruktur muss aus Steuermitteln angepasst werden und die Energie aus der Nordsee muss natürlich auch nach Bayern. Das sind die Grundlagen für höhere Löhne in München als in Rostock. Wir können uns das nicht leisten und die BRIC-Staaten erst recht nicht. Sie setzen dann auf Eigenproduktionen und würgen unsere Wirtschaft ab.
    Nachhaltige Stadtentwicklung ist nichts weiter als ein sinnentleerter Modebegriff. Wir machen da auf der Grundlage des Autonarrs Le Corbusier etwas vor und es wird weltweit nachgemacht. Dieses Nullsummenspiel wird einen weltweiten Dominoeffekt auslösen. Beider nächsten Immobilienkrise werden wir nicht auf die BRIC-Staatenzählen können.
    Man soll sich nur näher die leeren Kassen in NRW ansehen und was dort als Vorzeigemodell gebaut wurde. Da ist nichts nachhaltig. Als Staat wäre NRW mit GR vergleichbar.
    Mobilität ist wichtig, darf aber nicht zur Plage werden. Wir brauchen qualitatives Wachstum, das der Nachhaltigkeit Sinn bringt.

    http://www.bps-niedenstein.de/

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