Kommentar
Araber triumphieren über Lufthansa

Während sich die Lufthansa mit Mühe in den schwarzen Zahlen hält, nimmt Emirates Monat für Monat an Fahrt auf. Die Araber haben etliche Vorteile gegenüber der Konkurrenz - dazu gehören unter anderem deren Finanzkraft.
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Es war das Bild der Berliner Luftfahrtshow (ILA) 2010. Nase an Nase standen sich die Riesenflieger gegenüber. Links die nagelneue A380 der Lufthansa, rechts der gleiche Typ von Emirates. Jedes dieser Flugzeuge kann 500 bis 600 Passagiere zu denselben Kosten transportieren, die andere Modelle für 300 bis 400 brauchen.

Während die Deutschen stolz ihren ersten Superjumbo präsentierten, holten die Araber zum großen Schlag aus. Vor Ort bestellten sie weitere 32 der Riesenflieger und lockten damit sogar Angela Merkel auf ihren Messestand. Schließlich sichert der Bau des Airbus A380 mehrere Tausend Arbeitsplätze in der deutschen Flugzeugindustrie. Zwei Jahre später zeigen sich die wahren Kräfteverhältnisse im Luftverkehr. Zwar werden die Araber auf der diesjährigen ILA keine neuen Megaaufträge platzieren, aber eine A380 schicken sie für PR-Zwecke dennoch vorbei.

Und während sich die Lufthansa mit Mühe in den schwarzen Zahlen hält, nimmt Emirates beinahe jeden Monat eine neue A380 in den Dienst. Am Ende des Jahrzehnts werden die Araber alleine 90 Stück der Riesenflieger im Betrieb haben, die Lufthansa hat gerade einmal 17 Maschinen dieses Typs bestellt. Und die kann sich Deutschlands wichtigste Airline kaum leisten: Das derzeit laufende Sparprogramm begründet Lufthansa-Chef Franz mit dem Zwang, die neuen Flieger bezahlen zu müssen. Die Flugbegleiter haben per Streik schon klargemacht, dass sie die Rechnung nicht bezahlen wollen.

Die Vorteile von Emirates sind gravierend: Die Finanzkraft der Araber ist größer als die ihrer europäischen und amerikanischen Rivalen. Das Personal wird weltweit rekrutiert und ist günstiger als bei der Konkurrenz. Die Flughäfen sind modern und können, anders als beispielsweise das Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt, rund um die Uhr betrieben werden. Vor allem aber nutzen die Araber ihre günstige geografische Lage genau am Schnittpunkt zwischen Europa und den boomenden Märkten in Fernost.

Sie sammeln aus beiden Richtungen die Passagierströme am Golf und können so beide Regionen perfekt vernetzen. Während die Lufthansa mit kleinen Zubringern mühsam ihre Kunden in ganz Europa einsammelt, um die Langstreckenflieger füllen zu können, fliegt Emirates ausschließlich mit großen und nagelneuen Maschinen lange Strecken. Mit der A380-Flotte saugt der Lufthansa-Konkurrent immer mehr Flughäfen leer. Auch in Deutschland, wo die Araber bereits vier Ziele ansteuern. Seit dem vergangenen Herbst fliegt die erste A380 von Emirates München an, mitten in das Herz der Lufthansa.

Zu gerne würden die Araber auch noch Berlin mit auf den Flugplan setzen und starten auf der ILA eine neue Charmeoffensive bei den deutschen Behörden, die bislang auf Druck der Lufthansa die Landegenehmigung verweigern. Der Unterstützung von Airbus und seinen Zulieferern kann Emirates sicher sein. Und wie lang die Abwehrfront hält, ist offen. Der neue Großflughafen Berlin-Brandenburg wäre für solvente arabische Kundschaft mit Sicherheit dankbar.

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  • Es ist ein weit verbreiteter Mythos, dass Emirates subventioniert wird. Ein genauerer Blick auf das Erfolgskonzept der Airline offenbart jedoch schnell, dass es nicht finanzielle Hilfen sind, welche den Boom der Airline erklären, sondern die niedrigeren Produktionskosten aufgrund von hoher Migration günstiger Arbeitskraft aus Asien und Afrika. Wer das große Geld wittert, freiwillig den einen oder anderen Abstrich in Sachen Sozialleistungen hinnimmt und seine Familie zuhause lässt ist willkommen – egal ob Inder oder Deutscher.

    Faire Rahmenbedingungen und gesunder Wettbewerb sollten natürlich im Interesse unserer Politik stehen. Doch ist es fair, Lufthansa als privates Unternehmen vor diesem Wettbewerb zu schützen? Ist es fair, den Kunden – zum Beispiel in Berlin – die Möglichkeit mit Emirates günstiger zu fliegen vorzubehalten? Und sind es nicht schlussendlich wir, welche die Rahmenbedingungen für die nationalen Fluglinien verschärfen wenn wir nach Nachtflugverboten verlangen und gegen weitere Infrastrukturprojekte – wie die dritte Bahn in München – stimmen?

    Unter diesen Bedingungen bleibt schlussendlich dann nur noch der Griff tief ins Portemonnaie. Das dachte sich vermutlich auch die österreichische Politik, als deren staatliche Austrian Airlines an die Lufthansa verkauft wurde – eine Staatshilfe von 500 Millionen zum Abbau von Schulden im Frachtraum, und 200 Millionen als Staatskredit im Handgepäck. Schon viele Airlines im sehr nahen Umfeld der Lufthansa - der Star Alliance - haben das eine oder andere Taschengeld zugesteckt bekommen. Das nenne ich nicht die Schaffung von vernünftigen Rahmenbedingungen, sondern Subvention – welche fälschlicherweise aber dann doch lieber mal den Golf-Airlines vorgeworfen wird.

  • Der Artikel zeigt mal wieder den fehlenden Sachverstand des Handelsblatts. Sind denn eigentlich alle Bildredakteurer in Ihrer Freizeit Handelsblatt-Schreiberlinge. Klar kann sich eine subevntionierte Airline das alles leisten. Und die Lufthansa bzw. sämtliche Europäische Airlines leiden nun mal unter dem Versagen der Politik der eigenen Industrie wenigstens vernünftige Rahmenbedingungen zu geben die es ihnen leichter macht gegen die subeventionierte Konkurrenz zu bestehen. Und die Arbeitsbedingungen bei Eimrates sind jetzt nicht gerade rosig, es wird halt durch gutes und fast steuerfreies Gehalt kompensiert. Wenn aber die Regierenden keine Lust mehr auf die Leute haben sind die auch ganz schnell wieder auf der Strasse. Ob das so ein nachhaltiges Wirtschaften ist kann sich jeder selbst beantworten. Aber wenn man den Überblick vor lauter Geiz verliert wird es halt schwierig.

  • Es ist interessant, dass Emirates immer noch so scharf darauf ist Berlin anzufliegen. Mit Qatar Airways gibt es ja schon eine Fluggesellschaft aus der Golfregion der seit Jahren Berlin anfliegt. Wohl nicht so erfolgreich, denn während Qatar Airways nach München ein Großraumgerät einsetzt und die Flüge vor kurzem von 7 wöchentlichen Flügen auf 11 wöchentliche Flüge erhöht hat, dümpelt die Strecke nach Berlin mit kleinem Fluggerät so vor sich hin. Auch wenn Berlin touristisch boomt, die Araber und Asiaten zieht es nun doch eher nach Süddeutschland, wie die Übernachtungszahlen des statistischen Bundesamtes eindrucksvoll belegen...

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