Kommentar
Bahn-Streik: Gewerkschaft schadet sich selbst

Die GDL streikt erneut. Millionen Pendler packt die Wut. Und das zurecht. Denn die GDL übertreibt es mit ihrer harten Tour und wird sich am Ende selbst am meisten schaden. Ein Kommentar von Thorsten Giersch.
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Zugschaffner bei der Deutschen Bahn verdienen mehr als bei privaten Konkurrenten. Das will die Lokführergewerkschaft GDL ändern. Die Unternehmen haben sich längst bewegt und einen Flächentarifvertrag angeboten, der vorsieht, das Lohn-Plus der Deutschen Bahn von 20 auf sechs Prozent zu reduzieren. Das reicht der GDL aber nicht.

Am 22. Februar wurde zum Aufwärmen gestreikt. Zwei Stunden reichten, um Zigtausende Pendler zu entnerven. Nun legen die Lokführer nach. Mal abgesehen von der Frage, warum Bahnstreiks so oft bei Minustemperaturen stattfinden müssen: Warum bestreikt die GDL überproportional heftig die Deutsche Bahn, wenn sie doch mit deren Konkurrenten im Clinch liegt?

Diese Frage bewegt nicht nur die geschädigten Reisenden – die sich im Zweifel durch das Üben der korrekten Aussprache von „Bundesrahmenlokomotivführertarifvertrag“ erwärmen können. Doch der GDL geht es eben nicht nur um die Sache, sondern auch um ihre Daseinsberechtigung. Diese muss die Spartengewerkschaft nun mal immer wieder unter Beweis stellen. Eine gewisse Paranoia kann man ihr nun mal nicht absprechen: Die Großen wollen die Kleinen unterdrücken, so war das schließlich schon immer.

Doch wenn die GDL so weitermacht, schadet sie sich mit ihrer Sturheit selbst. Denn derzeit denkt die Bundesregierung darüber nach, die Macht der großen Gewerkschaften in Gesetze zu gießen. Je häufiger die Spartengewerkschaften mit übertriebenen, unberechenbaren Aktionen auf sich aufmerksam machen, desto mehr Futter bekommen ihre Gegner. Und das gilt vor allem für den öffentlichen Verkehr, wo es so viele Wählerstimmen zu gewinnen gibt.

Kurzfristig könnten die Lokführer jetzt noch einmal einen Erfolg erzielen, denn ihr Drohpotenzial ist hoch. Aber viele Warnstreiks dieser Güte kann sich die GDL nicht mehr leisten. Es kommt also aufs Timing an - und aufs Augenmaß.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

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  • Bei allem Verständnis für bessere Arbeitsbedingungen: Wenn jeder, der auf einer entscheidenden Stelle sitzt, so eine rücksichtlose Durchsetzung seiner Interessen auf dem Rücken der davon Betroffenen ausfechtet, dann gute Nacht für unsere Gesellschaft, auf deren Rechten Ihr Euch ausruht. Wie viele Bürger müssen mittlerweile JEDES JAHR wochenlang mit dem gleichen Mist kämpfen. JEDES JAHR die gleiche Kacke. Arbeitnehmer stehen Stunden auf dem Bahnsteig rum, dürfen wochenlang mit dem Risiko und den Problemen des ach so tollen Arbeitskampfes der GDL leben – als wenn der normale Betrieb bei den Bahnunternehmen nicht schon genug Probleme hätte.
    Erzählt das mal den Berufsgruppen, die nicht gehört werden, für die sich keine Gewerkschaft stark macht, die hochpreisige Zugtickets zahlen und dann auch noch diesen Kindergarten miterleben dürfen, um anschließend für 1500 Euro brutto die verlorene Zeit wieder reinzuarbeiten! Super! Vielen Dank! Wie unsozial kann man eigentlich nicht betroffenen Menschen gegenüber sein, wenn noch nicht mal 24 Stunden zwischen Ankündigung und solchen Maßnahmen vergehen – wie soll man das planen?
    “Leider lässt uns die DB hier keine keine andere Wahl”“, so Weselsky. – Man hat immer eine Wahl und diese fördert kein Verständnis – soviel ist mal sicher.

    Warum muss es der Personenverkehr am Freitag sein und das in der 2. Woche? Was soll das? Sollen wir – die Kunden – an den Verhandlungen vielleicht etwas ändern? Wer soll da noch Verständnis aufbringen und wofür?

    Der Job ist nicht leicht? Das ist er auf dem Bau oder am Fließband auch nicht…
    Der Job hat eine hohe Verantwortung und ist schlecht bezahlter Schichtdienst? Fragt doch mal die Ärzte in der Notaufnahme im Krankenhaus…die streiken auch nicht jedes Jahr mit dem gleichen Programm auf dem Rücken der Patienten!

  • Es ist schlimm wenn hier welche etwas schreiben und nicht mal
    schauen um was es eigentlich geht.
    Nur mal die Kernforderungen der GDL anschauen und nicht immer nur übers Geld reden.
    Dann würden Sie Herr Giersch Ihren Artikel Umschreiben,und,
    wir wollen in einer Demokratie doch nicht zulassen das den Gewerkschaften sei es auch eine Berufsgewrkschaft ,das Recht auf Tarifauseinandersetzungen - Streik- aberkannt wird . Dann werden wir da landen wovon sich andere gerade Befreien - siehe die "Arabische Welt"

  • Ich kann meinem Vorredner nur recht geben. Diese "Pressefutzies" sollen erstmal den Unterschied zwischen Lokführer und Zugführer lernen!
    Wettbewerb findet bei den Bahnen zum größten Teil nur auf Kosten der Lokführer und Zugbegleiter statt. Besserer Service und Qualität kommen erst an zweiter Stelle. Ein Bundesrahmentarifvertrag würde dieses für alle vereinfachen. Auch die Politik, bzw. die Länder, als Besteller der Eisenbahnleistungen sollten da mal drüber nachdenken.

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