Kommentar
Chinas Staatschef Xi hängt mit drin

Verwandte von Chinas Staatschef Xi sollen Geld in Steueroasen horten. Selbst wenn er persönlich daran nicht beteiligt wäre, könnte es eng für ihn werden. Denn in China gilt immer ein wenig das Prinzip der Sippenhaft.
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Familie ist alles in China. Wenn ein Staatsführer wie Xi Jinping zwar selbst sauber ist, seine Verwandtschaft aber Geld in Steueroasen hortet, dann hängt er mit drin – selbst, wenn er nicht viel dafür kann. Das ist auch der Grund für gnadenlose Presse- und Internetzensur zu diesem Thema: In China gilt immer ein wenig das Prinzip Sippenhaft.

Schlimmer noch: Die Unterstellung liegt nahe, dass Xi mit seinem Einfluss zur Anhäufung hoher Vermögen seiner Verwandten beigetragen haben könnte. In diesem Fall betreffen die Enthüllungen seine Schwester Qi Qiaoqiao, deren Mann einen millionenschweren „Notgroschen“ auf Konten in Übersee angehäuft hat.

Die Familie Xi war in der jungen Volksrepublik unter sehr bescheidenen Bedingungen aufgewachsen. Der kleine Jinping musste Qiaoqiao Blusen auftragen. Sein Vater, ein kommunistischer Revolutionär der ersten Stunde, färbte sie dafür von rosa Blumenmustern auf schwarz um. Die rote Aristokratie kommt aus einfachen Anfängen.

Als Xi Jinpings Karriere ihn in immer mächtigere Staatsämter führte, warnte seine Mutter daher sämtliche Sipplinge: Tut nichts, was nach Vetternwirtschaft aussehen könnte! Xi selbst belehrte die ihm unterstellten Genossen bei öffentlichen Auftritten selbstbewusst: „Haltet Eure Partnerinnen, Kinder, Verwandten, Freund und Mitarbeiter im Zaum! Unsere Macht ist nicht für den persönlichen Nutzen da.“

Dann kam vor anderthalb Jahren die Enthüllung, dass die weitere Verwandtschaft von Xi zusammen auf ein Milliardenvermögen kommt. Damit hatte die Entzauberung des Saubermanns begonnen. In diesen Tagen prallen Anspruch und Wirklichkeit erneut aufeinander.

Seit seinem Amtsantritt als Generalsekretär der KP im Herbst 2012 hat sich Xi den Kampf gegen die Korruption auf die Fahnen geschrieben und verbietet den Genossen sogar, bei Arbeitsessen mehr als fünf kleine Gerichte zu bestellen. Jetzt stellt sich heraus, dass der Mann der Schwester, deren abgelegte Blusen er einst tragen musste, sein Vermögen ganz unpatriotisch in Finanzparadiese geschafft hat.

Seit der Bekämpfung von Religion und Traditionen durch den Staat ist sich in China jeder selbst der Nächste – wichtig ist bloß noch die engere Familie. Das ist einer der Gründe für die ausufernde Vetternwirtschaft. Selbst wenn der persönlich bescheidene Xi sich isoliert sieht von den allzu guten Finanzgeschäften seiner Sippe, dann ist er in den Augen seiner Landsleute doch als Oberhaupt des Clans an alldem beteiligt.

Die Enthüllungen über die Verwandtschaft des Staatsoberhaupts sind daher ein Schlag für die Legitimation der Kommunistischen Partei. Jetzt würden nur Aufklärung und Transparenz helfen. Statt dessen gibt es Internetsperren und Verhaftungen.

 

 

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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