Kommentar
Die EU braucht eine Auszeit

Albanien ist nun offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union. Das ist falsch. Denn die EU benötigt dringend eine Phase der Konsolidierung anstatt eine Erweiterung, die ihren inneren Zusammenhalt riskiert.
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BrüsselNachdem die Anti-Europäer bei den Europawahlen satte Gewinne eingefahren hatten, war sich die etablierte politische Klasse in der EU einig: Wolle man den Extremisten nicht das Feld überlassen, müssten die Bedürfnisse der Bürger wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Man dürfe die Menschen weder verprellen noch überfordern. „Wir haben verstanden!", lautete die Losung.

Einen Monat später sind solche Beteuerungen vergessen. Dafür steht der jüngste Vorstoß aus Brüssel und den nationalen Hauptstädten. Albanien ist jetzt offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union.

Den entsprechenden Status haben die Europaminister der Mitgliedstaaten dem Balkanland an diesem Dienstag zugebilligt. Für die Albaner mag das ein lange ersehntes Signal sein, eine Anerkennung bisheriger Reformanstrengungen. Viele EU-Bürger dürften sich jedoch im falschen Film wähnen.

Denn nichts ist damit gewonnen, wenn die Gemeinschaft wächst und wächst, dabei aber ihren inneren Zusammenhalt riskiert und ihre Handlungsfähigkeit sowie ihre Gestaltungskraft einbüßt. Im Jahr sechs der Schulden- und Wirtschaftskrise hat die Union genug damit zu tun, die eigenen Fliehkräfte zu bändigen.

Davon zeugt einmal mehr das Gezerre um den künftigen Kommissionspräsidenten, das die Briten zum Anlass nehmen, wieder mal mit Austritt zu drohen. In der Vergangenheit mag es sich bewährt haben, Balkanstaaten eine klare Beitrittsperspektive zu geben und damit demokratische Veränderungen zu bewirken. In der Zukunft muss das aus Eigeninteresse der Gemeinschaft anders laufen.

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Es brodelt in Europa

Kommentare zu " Kommentar: Die EU braucht eine Auszeit"

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  • "Die EU braucht eine Auszeit"

    Nein, die EU braucht ein AUS!

  • Immer hinein in die gute Stube, die EU nimmt früher oder später alles was nicht rechtzeitig auf die Bäume kommt.

  • Jetzt noch ein großer Coup, der restliche Balkan, die Ukraine, die Türkei, selbst das asiatische Georgien und Israel alles aufnehmen was aufgenommen werden will. Ich bevorzuge nämlich ein schreckliches Ende, dem einem endlosen Schrecken.
    Überdies könnte die EU von den Neuen lernen wie man autoritärer und noch korrupter agieren kann.
    Falls das immer noch nicht reicht, die komplette Abführung aller Staatseinnahmen an Brüssel und die anschließende Zuteilung durch Brüssel. Auch den letzten EU Vollpfosten muss geholfen werden!

    Herrlich, wie man mit einem kleinen süßen Mädchen für Albanien wirbt, das überzeugt die Doofen doch alle! Ein Bild mit einem Kalaschnikow tragenden hässlichen Organhändler oder wenigstens mit einem schmierigen Hütchenspieler hatte man wohl gerade nicht zur Hand, oder?!

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