Kommentar
Die Fratze des Kapitalismus

Warum wählte die RAF 1977 gerade Hanns-Martin Schleyer als Mordopfer? Sein Sohn Jörg erklärt das Verbrechen auch damit, dass sein Vater jahrelang von den Medien als Fratze des Kapitalismus dargestellt wurde und dies unbewusst zugelassen hat. Managern und Unternehmen fehlte damals Erfahrung im Umgang mit den Medien.

Heute trägt Josef Ackermann die Maske des rücksichtslosen Kapitalisten. Franz Müntefering muss nur den Deutsche-Bank-Chef imitieren und die Finger zum Victory-Zeichen heben, und die Menge tobt. So werden an einem Mann alle Übel Deutschlands festgemacht. Damit müssen Journalisten und Politiker aufhören, auch in einer Zeit ohne RAF-Terror.

Aber Ackermann ist nicht nur Opfer. Kommunikation gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines Top-Managers. Sie bestimmt mit über den Unternehmenserfolg. Ex-Börsenchef Werner Seifert hat gerade erfahren, was passiert, wenn man nicht mit Aktionären kommuniziert. Ackermann findet keine Sprache für Normalkunden und Öffentlichkeit. Sprüche wie „Was gut ist für Deutschland, ist gut für die Deutsche Bank“ wirken wie – Sprüche.

Manager stehen für ihr Unternehmen. Hier beginnen sie, Politikern ähnlich zu werden. Und gute Kommunikation ist kein Zufall. Ackermann lässt diese Kernaufgabe aus London mit der Perspektive einer globalen Investmentbank leisten. Damit kann er sachlich und emotional weder verstehen noch steuern, was mit ihm und der Bank auf dem Kernmarkt geschieht. Der Imageverlust droht im Extremfall zu einem persönlichen Risiko für ihn zu werden. In die Gewinn-und-Verlust-Rechnung schlägt er längst durch.

Auch andere deutsche Konzerne sind gerade dabei, vor lauter Globalisierung ihren Heimatmarkt zu vergessen. Dabei gilt auch für Kommunikation: „Think global – act local.“

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