Kommentar
Die Macht der Ratingagenturen schwindet

Die Auswirkungen der Herabstufung von Frankreich und acht weiteren Euro-Ländern dürften sich in Grenzen halten. Wahrscheinlich hat die Macht der gefürchteten Ratingagenturen ihren Höhepunkt bereits überschritten.
  • 104

Die Herabstufung von Frankreich durch die Ratingagentur S&P ist für Europa nicht ungefährlich. Gerade haben schwache Länder wie Italien und Spanien wieder etwas mehr Vertrauen bei den Investoren gefunden, da kommt so eine schlechte Nachricht dazwischen. Aber der Effekt dürfte begrenzt bleiben. Wahrscheinlich hat die gefürchtete Macht der Ratingagenturen ihren Höhepunkt schon überschritten.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Denn Märkte und Politiker haben sich daran gewöhnt, sich selbst ein Urteil zu bilden, zumal gerade in der Euro-Krise die Agenturen ja auch unterschiedlich agieren. Außerdem kommt S&P in zweifacher Hinsicht zu spät, und das wird auch an den Märkten so wahrgenommen. Denn es hat sich längst ein Renditeunterschied zwischen Deutschland und Frankreich herausgebildet, der schon zwei verschiedene Bonitätsklassen markiert hat - lange vor der Ratingherabsetzung. Zum zweiten aber machen die Europäer ja gerade zaghafte Fortschritte bei der Bewältigung der Krise, was von den Märkten durchaus honoriert wird. Man hat also nicht den Eindruck, dass S&P den Märkten die Richtung weist, sondern ihnen bestenfalls hinterherläuft.

Was ist nun mit Deutschland? Bisher scheint unser Rating ungefährdet zu sein, aber das muss ja nicht immer so bleiben, wenn sich über immer größere Rettungskonstruktionen das Volumen der Bürgschaften für schwache Euro-Staaten immer weiter erhöht. Die Frage ist allerdings, ob eine Ratingherabstufung für Deutschland viel ändern würde. Schließlich haben die Investoren nur wenig Alternativen. Wer eine möglichst sichere Anlage sucht, der kann nur das wählen, was vergleichsweise am sichersten ist. Daran ändert auch eine Ratingnote nichts. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass die Macht der Agenturen schwindet.

Die Bonitätsprüfer von S&P hatten die Noten für langfristige Anleihen von gleich neun Euroländern herabgesetzt. Frankreich und Österreich verloren ihre Bestnote AAA, wurden um eine Stufe auf AA+ gesenkt. Auch das Rating für die Bonität Italiens und Spaniens verschlechterte sich. Die Schuldverschreibungen von Portugal rutschten auf Ramschniveau. Betroffen von einer Herabstufung waren auch Malta, die Slowakei und Slowenien. Deutschland behielt hingegen seine Spitzenbewertung.

Kommentare zu " Kommentar: Die Macht der Ratingagenturen schwindet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ist hier schon wieder Weihnachten und Langeweile angesagt Herr Wiebe?!;) Beispielweise können Sie bei Amazon von S&P 2012 Analysen der 50 stärksten Unernehmen für 3$ erwerben. Insbesondere die japanische Presse macht dafür Werbung.

  • @rmx9

    Halt zwei alte Männer auf einer Parkbank (auf das Zurechtschminken des einen haben wir verzichtet, um keine Proteste wegen Rassismus zu provozieren), die sich ein wenig austauschen.

    Was die Bücher betrifft, spannend finde ich ja eher, was er 1919 gelesen hat und weniger die Bücher, die er sich dann zurechtgeklaut hat - es sei denn, er hat die Bücher von seinem Thule Mentor geerbt.

    Danke für den Lesetipp!

  • @silikonbrueste

    ist das Silikon schon geplatzt und die Blut-Hirnschranke überwunden? Das wäre eine Erklärung für diese Forderung

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%