Kommentar
Die Volkskanzlerin

Angela Merkel führt die Union auf Volkspartei-Niveau. Wenn es nicht für die absolute Mehrheit reicht, steht nur eine gedemütigte SPD als Regierungspartner bereit.
  • 5

Die Volkspartei ist zurück. Seit 20 Jahren totgeglaubt, runtergeschrieben, niedergeredet – heute wieder auferstanden: Die CDU/CSU hat mit einem Ergebnis deutlich oberhalb von 40 Prozent ein Ergebnis eingefahren, das an Kohl‘sche Dimensionen herankommt. An die Zeit der frühen neunziger Jahre, als Deutschland sich gerade erst daran gewöhnt hatte, dass zu den drei gesetzten Parteien mit den Grünen eine vierte hinzugekommen war. Das Ergebnis ist der eindeutige Auftrag an die Kanzlerin, weiterzumachen – lange Zeit schien sogar eine absolute Mehrheit der Union in Reichweite.

So muss sich Merkel einen Bündnispartner suchen. Die Antwort auf die Frage, mit wem sie koaliert, liegt nahe: Sie ergibt sich weniger aus dem Wählerwillen als aus der politischen Schnittmenge, die die CDU mit ihren möglichen Koalitionspartnern hat. Da die FDP nicht mehr im Bundestag sitzt, wären SPD und Grüne die denkbaren Bündnispartner. Die Grünen jedoch hatten Steuererhöhungen zum Kernthema gemacht. Wenn sie darauf verzichten, verlieren sie bei ihren Wählern weiter an Glaubwürdigkeit. Das Ergebnis von heute Abend ist bereits ein Denkzettel. Mit ihnen dürfte es also aus Unionssicht nichts werden.

Bleibt die SPD – und die öffnet bereits die Türen: Ihre Spitzen aus der zweiten Reihe, nicht Steinbrück und nicht Gabriel, aber sehr wohl Andrea Nahles und Thomas Oppermann zeigten sich seit kurz nach 18 Uhr gesprächsbereit. Deutschland könnte damit auf eine große Koalition zusteuern. Bleibt es dabei, werden Erinnerungen an die erste Legislaturperiode von Angela Merkel wach. Die Zeit war nicht die schlechteste.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Kommentar: Die Volkskanzlerin"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Volk will es doch so. Ich finde es auch schade, aber anscheinend sind die Deutschen nicht lernfähig. Also weiter Banken retten, Geld Richtung Süden überweisen, durch Inflation die Sparguthaben aufzehren lassen und später kaum eine Rente haben. Ach ja, Schuldenberge und Schuldenschnitte gibt es ja auch noch.

    Nun ja, der deutsche Michl will es so. Ich kann es nicht ändern.

  • " Bleibt es dabei, werden Erinnerungen an die erste Legislaturperiode von Angela Merkel wach. Die Zeit war nicht die schlechteste."

    Eine Neuauflage der großen Koalition werden die nächsten vier Jahre mit Sicherheit nicht besser machen. Wenn selbst in der Opposition die SPD jeden Unsinn zur "Eurorettung" mit trägt, kann es in einer Koalition nur noch schlimmer werden.

    Da man den Euro als Wahlkampfthema heraus gehalten hat gibt es dazu überhaupt keine Wählermeinung. Ich fürchte, das es bei einem "weiter so" zu Aufständen in Deutschland kommen könnte.

    Jeder Geringverdiener muss doch jetzt schon die Faust in der Tasche ballen, wenn mal wieder, gegen jede Vernunft, Geld an Banken überwiesen wird. Von Leuten, die monatlich deutlich mehr bekommen als ein Niedriglöhner im ganzen Jahr erarbeiten kann.

    Dazu die Ausblutung durch das EEG, das kann kaum noch ein Normalverdiener stemmen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%