Kommentar
Draghi beweist glückliches Händchen

Der renommierte Posten des Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank geht überraschend an den Belgier Peter Praet. Auch der vermeintlich aussichtsreichste Kandidat Jörg Asmussen kommt dabei nicht zu kurz.
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EZB-Präsident Mario Draghi hat ein salomonisches Urteil gefällt. Mit der Aufgabenverteilung im Direktorium der Europäischen Zentralbank sollte er es geschafft haben, den Unmut in der französischen und der deutschen Regierung in Grenzen zu halten. Denn beide Länder hatten sich Hoffnungen gemacht, dass ihre Kandidaten den Posten des Chefvolkswirts einnehmen könnten. Denn dass jetzt weder Jörg Asmussen noch Benoît Coeuré zum Zuge kommen, ist keinesfalls eine Verlegenheitslösung.

Der in Deutschland geborene Belgier Peter Praet kann mit Erfahrung und akademischer Kompetenz überzeugen. Auch wenn er als geldpolitische Taube gilt, die im Zweifelsfall auch eine höhere Inflation duldet, muss dies nicht gleich eine Kehrtwende in der EZB-Politik bedeuten.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, einem Verfechter des strikten Inflationsziels von knapp unter zwei Prozent, könnte eher Kopfschmerzen bereiten, dass jetzt Coeuré ab März die Marktabteilung der EZB verantwortet und damit auch den Kauf von Staatsanleihen. Denn im Tagesgeschäft wird er maßgeblich beeinflussen können, welche Papiere die Notenbanken in die Bücher nehmen, um die Schuldenkrise zu entschärfen.

Für den deutschen Senkrechtstarter Jörg Asmussen bleibt das Amt des „Außenministers“ der EZB. Auf das Abstellgleis ist er damit keineswegs geschickt. Schließlich gibt es in Zeiten von Rettungsprogrammen und Troika-Reisen zur Haushaltsüberwachung immense Aufgaben auf diesem Gebiet. Seine Kontakte aus der Zeit als Finanzstaatssekretär im Finanzministerium werden ihm dabei behilflich sein. Er muss jedoch aufpassen, nicht als Überbringer von schlechten Nachrichten in Verruf gebracht zu werden.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

Kommentare zu " Kommentar: Draghi beweist glückliches Händchen"

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  • @euroforever: "Könnten Sie mal erklären, was die FED in den USA macht?"

    Die FED ist genauso eine zweifelhafte Organisation wie die EZB. Beide sorgen dafür, das wenige von der Geldschöpfung profitieren und viele die Kosten dafür tragen müssen.

    Beim Euro und der EZB kommt noch dazu, daß es sich um unterschiedliche Staaten handelt. Aber die Tauben in der EZB werden schon dafür sorgen, das die Transfers von den Euro-Nordstaaten in Richtung Süden weiterhin fliessen.

    4 Transfertöpfe haben wir ja schon:

    I: Geldschöpfung für Staatsschulden. Wer zuerst am meisten Staatsschulden anhäuft, profitiert am meisten von der Geldschöpfung.

    II: direkter EZB-Staatsanleienaufkauf der PIGS-Staaten.

    III: der Kicker, das TARGET2 Eurosystem, darüber sind wohl schon fast 1 Billion Euros an realem Wohlstand transferiert worden. Deutschlands Bundesbank ist mit 500 Millionen dabei.

    IIII: Die diversen Bailout Pakete, welche die Bonität der noch solventen Staaten, in die notleidenden PIG-Staaten transferiert.

    Aber der Euro ist sowas von alternativlos, der Traum von Europa der Sozialisten muss am Leben erhalten werden.

  • Alles halb so wild, hauptsache Deutschland zahlt, zahlt
    und zahlt.

  • Könnten Sie mal erklären, was die FED in den USA macht ?

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