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Kommentar: Durch Schaden klug werden

Wenn die WestLB weiter als internationale Bank agieren will, wie es ihre Eigentümer jüngst beschlossen haben, muss sie endlich aus ihren Fehlern lernen. Ansonsten könnte sie an den internationalen Finanzmärkten bald nicht mehr ernst genommen werden.

Wenn die WestLB weiter als internationale Bank agieren will, wie es ihre Eigentümer jüngst beschlossen haben, muss sie endlich aus ihren Fehlern lernen. Ansonsten könnte sie an den internationalen Finanzmärkten bald nicht mehr ernst genommen werden.

Bereits vor vier Jahren hatte sich die fünftgrößte deutsche Bank mit ungesicherten Russland-Engagements die Finger verbrannt. Damals unterließen die Verantwortlichen die notwendigen Konsequenzen. Wie hoch die Verluste wirklich waren, kam nie ans Tageslicht. Allerdings galt die WestLB unter den Banken – hinter der Credit Suisse First Boston – als Verlierer der Russland-Krise des Jahres 1998. Schon dieses Geschäft hatte die Londoner Investmenttochter der WestLB eingefädelt, genauso wie später den Deal mit dem britischen Fernsehverleiher Box Clever.

Ungeachtet des Russland-Desasters wurde im Fall Box Clever erneut ein Geschäft überstürzt und unüberlegt abgeschlossen. Der Vorstand ließ das zu, obwohl sich die Bank in ein unbekanntes Geschäftsfeld vorwagte. Die Folge waren Anfängerfehler. So wurden die Bilanzen von Box Clever unzureichend analysiert, obwohl die Bilanzanalyse ein gesetzlich vorgeschriebener Routinevorgang ist. Außerdem gab es monatelang keinen operativ verantwortlichen Manager. Darüber hinaus versagten die internen Kontrollmechanismen der WestLB komplett.

Dass dies alles innerhalb weniger Monate ans Tageslicht kam, liegt nicht zuletzt an einer Kehrtwende der Finanzaufsicht. Im Fall der Bankgesellschaft Berlin hatte die Behörde noch wesentlich langsamer agiert. Dass die Finanzaufsicht im Fall WestLB mehr Biss zeigt, ist auch dem neuen Direktor der Bankenaufsicht zu verdanken. Mit Helmut Bauer wechselte ein Kenner der Londoner Bankenszene nach Bonn, der die Aktivitäten der WestLB kannte.

Die schonungslose Aufklärung aller Missstände durch die Aufsicht könnte für die WestLB heilsam sein. Jetzt hat die Bank die Chance, die internen Abläufe auf das Niveau einer international tätigen Bank zu bringen. Wer weiß – vielleicht wird die WestLB den Aufsehern eines Tages noch danken? Denn ab Mitte 2005 muss sie ohne Staatsgarantien mit der Deutschen Bank & Co. konkurrieren. Spätestens dann hätten Fehler wie in Russland oder Großbritannien drastische Konsequenzen – ob die Bank es will oder nicht.

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