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Eon hat viel falsch gemacht

Eon schreibt rote Zahlen. Solche Nachrichten waren bei Deutschlands größtem Versorger bisher undenkbar. Schuld daran ist aber bei weitem nicht nur die Politik mit der Atomwende. Eon muss sich ändern.
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DüsseldorfEon in den roten Zahlen – bis vor einem Jahr war das undenkbar. Seit dem Zusammenschluss von Veba und Viag zu Deutschlands größtem Energiekonzern im Jahr 2000 hatte Eon stets satte Gewinne erwirtschaftet. Das Unternehmen macht für das Minus vor allem die Energiewende der Bundesregierung verantwortlich, die den vorgezogenen Atomausstieg bis 2022 zur Folge hat. Erste Eon-Kraftwerke wurden schließlich im vergangenen Jahr bereits abgeschaltet.

Doch das greift zu kurz, denn es gibt auch hausgemachte Probleme - wie die Gasverträge:. Eon bezieht Gas zu höheren Preisen, als der Konzern dafür im Verkauf erlösen kann. Und nicht zuletzt sind es Auslandsaktivitäten in Italien und Spanien, die sich kräftig im Ergebnis niederschlagen. 2,1 Milliarden Euro wurden vor allem für Abschreibungen an Kraftwerken in den beiden Ländern fällig. Insgesamt schrieb Eon rund drei Milliarden Euro bei europäischen Konzerngesellschaften ab.

Es sind also die Fehler und Versäumnisse der Vergangenheit, die Eon einholen. Schlechte Verträge, falsche Auslandsinvestitionen und nicht zuletzt die fehlende Zukunftsausrichtung: Nicht die Energiewende hat die Eon-Bilanz 2011 in die roten Zahlen gedreht, es waren schlicht die Entscheidungen des Managements. Johannes Teyssen, der im Mai 2010 den Vorstandsvorsitz von Wulf Bernotat übernommen hat, versucht mit einem drastischen Sparprogramm das Ruder herumzureißen. Doch den ersten Fehler gab es dabei bereits, als die Nachricht von Stellenstreichungen die Medien vor den Arbeitnehmern erreichte - die Kommunikation war alles andere als geschickt.

Bis zu 6000 Stellen in Deutschland stehen auf der Kippe, weltweit 11.000. Inzwischen hat sich das Management mit dem Betriebsrat auf einen sozialverträglichen Stellenabbau geeinigt. Beim Konkurrenten RWE lief das geräuschloser. Die Essener haben ebenfalls die Streichung von 8000 Arbeitsplätzen angekündigt, auch durch Beteiligungsverkäufe. Es könnten noch mehr werden. Öffentlich diskutiert wurde darüber aber bisher kaum, eben weil es vorher intern angesprochen wurde.

Ein weiterer Fehler könnte Teyssen bei neuen Auslandsinvestitionen unterlaufen. Obwohl Eon einerseits vermeldete, sich vom britischen Stromnetz sowie anderen Aktivitäten und Beteiligungen zu trennen und damit bis Ende 2013 15 Milliarden Euro zu erlösen, ist der Energiekonzern andererseits ins brasilianische Stromgeschäft eingestiegen. Teyssen peilt sogar ausdrücklich die Expansion in außereuropäischen Wachstumsmärkten an.

Eon wäre aber gut beraten, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen und sich auf Europa und den deutschen Kernmarkt zu konzentrieren. Der zukünftige RWE-Chef Peter Terium hatte das vergangene Woche für sein Unternehmen bereits angekündigt. Damit würde Teyssen nicht nur ein Stück weit das Vertrauen seiner Beschäftigten zurückgewinnen.

Es gebe Eon auch Luft, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und sich im Heimatmarkt gut für die Energiewende aufzustellen. Um endlich ein Antreiber der Wende in Deutschland zu werden. Denn die Pläne, von Deutschland aus in der Weltspitze mit BP oder Shell zu konkurrieren, können ohnehin längst zu den Akten gelegt werden.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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  • Wie soll ein Energieversorger auf einem schrumpfenden deutschen Energiemarkt denn nennenswerte Erlöse erzielen?
    Es ist gerade richtig und mutig Shell und BP eine dritte Macht zur Seite zu Stellen. Außerdem findet das zukünftige Wachstum nicht mehr in Deutschland und auch nicht in Europa sondern in Tigerstaaten und Schwellenländern statt. Den Kuchen hier einfach für den "Kernmarkt" aufzugeben wäre fahrlässig. Jedermann spricht von weltweiter Wertschöpfung aber Energieunternehmen sollen lokal arbeiten?

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