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Kommentar: Gegen alle guten Regeln

Nun also auch Karstadt-Quelle: Die Zahl der Fälle wächst, in denen Aufsichtsratsvorsitzende höchstpersöhnlich den Vorstandschefposten übernehmen. Erst Telekom, dann Infineon, jetzt der angeschlagene Warenhauskonzern aus Essen. Thomas Middelhoff füllt die Lücke, die er selbst geschaffen hat. Weil Chefkontrolleur Middelhoff den Manager Christoph Achenbach feuerte ohne einen Nachfolger präsentieren zu können, muss er nun selbst ran.

Auch der frühere Chef des Chipherstellers Infineon, Ulrich Schumacher, war von Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley verdrängt und zeitweise ersetzt worden. Bei der Telekom übernahm Helmuth Sihler nach dem spektakulären Abtritt Ron Sommers vorübergehend die Geschäfte. Das zeigt: Aufseher wollen mehr als kontrollieren, sie greifen immer stärker ins Operative ein. Das wiederspricht den deutschen Governance-Regeln, deren Vorzug die klare Trennung zwischen Geschäft und Kontrolle ist. Middelhoff will zwar dauerhaft Vorstandschef sein. Doch was ist beim Sanierungsfall Karstadt-Quelle schon von Dauer?

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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