Kommentar
Jains Coup

Der Umbau im Vorstand der Deutschen Bank ist vor allem das Werk von Anshu Jain. Er macht die Bank internationaler. Wird sie damit unsicherer?
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Klar ist seit heute: Das neue Führungsduo bei der Deutschen Bank lässt keinen Stein auf dem anderen. Anshu Jain und Jürgen Fitschen krempeln den Vorstand der Bank um, noch bevor sie überhaupt offiziell in Amt und Würden sind. Sie machen damit klar: Kontinuität ist nicht ihre Sache. Nach dem Motto „Neue Besen kehren gut“ setzen sie auf neue Köpfe. Der Unmut, der sich über die alte Führung unter Josef Ackermann und seine Getreuen aufgestaut hat, muss größer gewesen sein, als es die Bank jemals durchblicken lassen wollte.

Undeutlich ist noch, wohin die Reise geht. Die neue Führungscrew steht für mehr Internationalität, weniger deutsch wird die Bank sich präsentieren. Viele Gesichter sind dabei, die Anshu Jain aus London persönlich kennt. Jains erklärtes Ziel ist es, die Bank, die international nur eine bescheidenere Rolle spielt, um einige Plätze nach vorne zu befördern. Das US-Geschäft soll ausgebaut werden. In Asien, woher Jain stammt, will die Bank ganz nach vorne. In beiden Märkten ist es vor allem das Investmentbanking, Jains Spielwiese also, die der Bank auf die Sprünge helfen soll. Ackermann hatte zwar auch das Investmentbanking vorangetrieben, ihm aber insbesondere unter dem Druck der Finanzkrise Zügel angelegt. Risikochef Hugo Bänziger unterstützte ihn dabei. Beide sind nun nicht mehr an Bord. Wird das Geschäft damit zügelloser?

An dieser Stelle kommt Jürgen Fitschen und mit ihm die Frage ins Spiel, die für das Institut zur Gretchenfrage wird: Wie halten es die beiden miteinander? Wird Fitschen versuchen, einen mäßigenden Einfluss auf Jain zu nehmen? Werden beide in dieser Rollenverteilung ein auskömmliches Miteinander finden? Die Erfahrungen sprechen gegen eine Doppelspitze. Und siehe: Der abrupte Umbau trägt nicht die Handschrift des Marathonläufers Fitschen, sondern eher die des Sprinters Jain. Harmonie jedenfalls bricht in der Bank nicht aus. Schon gar nicht an der Spitze.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Kommentar: Jains Coup"

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  • Tina
    Interessant ist auch die konsequente Erhaltung der Männerdomäne, aber vom weiblichen Geschlecht hält Herr Jain bekanntlich nicht viel.

  • @Kabur_Kabari ... jetzt erst? Die Banken die in Zukunft noch Erfolg haben werden werden dies mit dem klassischen Bankgeschäft haben. Alle anderen werden entweder vom Staat gerettet (und ich bezweifle dass das wieder so nett ablaufen wird wie beim letzten mal) oder zerschlagen. Wer doch noch etwas riskieren will sollte lieber nach kleinen Zockerbuden Ausschau halten anstatt sein Geld bei diesen großen Dinosauriern zu verbrennen ...

  • Wer in Indien durch die Lande reist, den Menschen unten, in den mittleständischen Kreisen und in den höchsten Kasten aufmerksam zuhört, kennt das über allem stehende Entscheidungsprinzip "Wenn es mir gut geht, können alle anderen von mir lernen wie man erfolgreich sein kann."
    Das gilt für Reliance genau so wie für Tata, und allemal für Mittal u.a.a.auch.

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