Kommentar: Karstadt-Quelle
Richtung Luxus

Ob Karstadt-Quelle mit dem Verkauf seiner 75 kleineren Warenhäuser 500 Millionen Euro verdient oder – wie von einigen Analysten vermutet – nur 200 Millionen, spielt tatsächlich kaum eine Rolle.

cs DÜSSELDORF. Viel wichtiger ist für den Konzern: Die Trennung von den kleinflächigen Gebäuden eröffnet endlich die Chance, ein einheitliches Marketingkonzept zu schmieden. Eine Zerschlagung, so viel ist sicher, ist dies noch lange nicht.

Bislang nämlich verschreckte der Gemischtwarenladen Karstadt nicht nur Kunden, sondern auch hochrangige Markenhersteller. Die Einkäufer des Handelskonzerns saßen in der Klemme. Sie mussten ein Sortiment zusammenstellen, das auf dem platten Land in Niebüll oder in Tuttlingen genauso ankommen sollte wie in den Weltstadthäusern in Frankfurt, Köln oder München. Verständlich, dass Hugo Boss, Armani oder Escada da nicht mitzogen.

Mit der Konzentration auf die 89 größten Warenhäuser könnte sich die Situation deutlich ändern. Es könnte sich die Chance bieten, diese Häuser in glitzernde Konsumtempel nach amerikanischem, britischem oder französischem Vorbild umzubauen. Dort haben sich die Warenhäuser meist strikt nach oben positioniert und verkaufen vorwiegend Luxus für gehobene Kundschaft – mit deutlich mehr Erfolg als die mittelpreisigen Warenhäuser in Deutschland.

Hierfür benötigt Karstadt aber Mut. Schrauben und Glühbirnen gehören aus dem Sortiment, Aktionsschilder mit durchgestrichenen Preisen von der Decke. Statt an einer langfristigen Positionierung des Warenhauses zu arbeiten, haben Karstadts Topmanager in den vergangenen Jahren aber stets nur auf den kurzfristigen Ertrag geschielt.

Auch beim Personal müsste sich mehr tun. Statt stolz über eine um 16 Prozent reduzierte Personalkostenquote zu berichten, wie es Konzernchef Thomas Middelhoff gestern tat, gehört in das Warenhaus der Zukunft geschultes Verkaufspersonal. Denn Luxus hat seinen Preis. Wer billig kaufen will, geht ohnehin zu Aldi.

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