Kommentar
Karstadts alter Mief

Das Karstadt-Management hat versagt.  Der Vorstand hat es versäumt, den Schwung nach der Übernahme für eine Neupositionierung zu nutzen.
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Willkommen in der Wirklichkeit: Knapp zwei Jahre nach der Übernahme der insolventen Karstadt-Häuser rückt der von Nicolas Berggruen eingesetzte Vorstand mit der Sprache heraus: Es geht doch nicht ohne Kündigungen. 2000 Mitarbeiter müssen gehen. Prompt wird aus dem Bild des Retters Nicolas Berggruen das Gesicht eines Mannes, der den Mund zu voll genommen hat.

Doch zur Wahrnehmung dieser neuen Wirklichkeit gehören zwei: Die, die sie prägen, und die, die sich vorher etwas vorgemacht haben. Prägend ist tatsächlich Berggruens Truppe, die alles andere als ein „Winning Team“ ist. Die Herren um Vorstandschef Andrew Jennings haben es nicht geschafft, den ersten Schwung nach der erfolgreichen Übernahme zu nutzen, um Karstadt neu zu positionieren. Niemand hat den Eindruck, dass sich in den Karstadt-Häusern in den vergangenen Monaten Grundsätzliches getan hätte. Es herrscht der alte Mief.

Vorgemacht haben sich aber auch diejenigen etwas, die glaubten, es kann mit Karstadt nach der Übernahme nur nach oben gehen. Kein Unternehmen wird saniert, in dem die gleiche Mannschaft in gleicher Sollstärke weiterwurstelt. Dass Berggruen versprochen hat, zwei Jahre lang niemandem zu kündigen, war ein Zugeständnis an die Gewerkschaft, ohne das er den Deal nicht hätte besiegeln können.

Was solche Zugeständnisse wert sind, erleben wir jetzt. Diejenigen die sie fordern, sollten es sich künftig zweimal überlegen, ob es sinnvoll ist, Investoren derartig festzunageln. Das Enttäuschungspotential hinterher ist umso größer.

Was nun? Ein kraftvolles Management muss her. Eines mit Schwung und Ideen. Karstadt ist nicht tot. Aber es muss sich neu erfinden, sonst stirbt es.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Kommentar: Karstadts alter Mief"

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  • Was man in Deutschland nicht begreifen will: Berggruen war schon immer ein "asset stripper." Alles andere war reine PR, worauf verdi, Regierung und Presse kritiklos hereingefallen sind, statt ihre Hausaufgaben zu machen und sich unabhängig zu informieren. Warum sollte das bei Karstadt plötzlich anders werden? Für Berggruen läuft alles nach Plan. Er will möglichst wenig investieren um am Ende möglichst viel Gewinn zu machen. Wenn dabei zufällig Arbeitsplätze erhalten werden, ist es gut; wenn nicht, auch gut.

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