Kommentar
Kim Dotcom macht es sich zu leicht

Dass Kim Dotcom mit seinem neuen Online-Speicherdienst Mega Geld verdienen will, ist nur legitim. Aber er sorgt nicht vor, um die Verbreitung illegaler Kopien einzudämmen. Damit beschwört er den nächsten Konflikt herauf.
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DüsseldorfOhne Online-Speicherdienste wäre das digitale Leben deutlich umständlicher. Es ist nur legitim, dass der umtriebige wie umstrittene Geschäftsmann Kim Dotcom hier seine Chance wittert. Doch mit seiner neuen Plattform Mega, dem Nachfolger von Megaupload, nimmt er die Nöte der Musikproduzenten und Filmstudios wieder einmal nicht ernst – und beschwört damit den nächsten Konflikt herauf.

Online-Speicher sind ein etabliertes wie wachsendes Geschäft. Sie helfen, Urlaubsfotos oder Firmendaten zu sichern, große Dateien zu verschicken oder Smartphone und PC auf den gleichen Stand zu bringen. Doch offenkundig lassen sich diese sogenannten Filehoster für illegale Zwecke missbrauchen – je mehr Anonymität sie erlauben, desto eher. Gerade Megaupload galt bis zu seiner Schließung als Drehscheibe für illegale Kopien von Blockbustern aus Hollywood und den aktuellen Musik-Charts.

Die Medienbranche mag mit ihren Vermarktungsstrategien dazu beigetragen haben. In einer globalisierten Öffentlichkeit ist es den Konsumenten etwa nur schwer zu vermitteln, dass sie Monate auf einen Film warten sollen, der woanders bereits lange im Kino läuft. Doch das darf keine Ausrede dafür sein, dass einige Speicher-Dienste Urheberrechtsverstöße billigend in Kauf nehmen und daran sogar verdienen.

Megaupload beispielsweise löschte zwar beanstandete Dateien, wenn sich die Rechteinhaber meldeten. Zuletzt hatten diese sogar einen Zugang, um direkt Inhalte zu löschen. Aber was nützt das, wenn der aktuelle „James Bond“ bald darauf wieder fünffach hochgeladen und mit Links an die Film-Sauger in aller Welt verbreitet wird?

Eine Verschlüsselung, wie die neue Plattform Mega sie anbietet, behebt dieses Problem nicht. Sie hilft allenfalls, die Privatsphäre der Nutzer zu schützen. Vielmehr muss das Unternehmen von sich aus einschlägige Foren nach verdächtigen Links durchforsten, Wiederholungskopierer sperren und – wenn alles nichts hilft – das Datenvolumen pro Nutzer beschränken. Es muss die Devise gelten: Je frappierender der Missbrauch, desto schärfer die Gangart.

Mega-Konkurrent Rapidshare geht diesen mühevollen Weg, mit einigen Erfolgen: In etlichen einschlägigen Foren verzichtet man inzwischen auf die Plattform. Angeblich kursieren dort auch immer weniger illegale Kopien. Deutsche Gerichte haben allerdings noch kein abschließendes Urteil gefällt, ob die Firma mit Sitz in der Schweiz genug tut – möglich, dass sie auch noch eine Filterung der bereits hochgeladenen Dateien fordern. Eine Maßnahme, die bei verschlüsselten Mega-Daten ohnehin vergeblich wäre.

Um Rechtsfrieden zu schaffen, müsste auch Kim Dotcom mehr gegen illegale Kopien tun. Sein jüngster Auftritt, bei dem er den zugegeben überzogenen Einsatz der Ermittler verspottete, lässt allerdings nicht vermuten, dass er das plant. Der nächste Konflikt kommt bestimmt.

Kommentare zu " Kommentar: Kim Dotcom macht es sich zu leicht"

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  • Also grundsätzlich kann man doch gegen datensicherheit und anonymität im netz nichts sagen.
    Auch wenn kim dotcom das indirekt in den kontext des filesharing stellt, ändert das nichts an der tatsache. Es gilt ja auch das briefgeheimnis. So muss das in einer demokratie sein.
    Bis auf den faktor der verschlüsselung ist mega einfach nur ein weiterer filehoster. und wie jeder filehoster gibt es dort formulare, um dateien aus dem netz zu nehmen. da ändert die verschlüsselung auch nichts.

    Das Gegenbeispiel im artikel rapidshare taugt meiner meinung nicht wirklich. Rapidshare schaft sich momentan selber einfach schleichend ab, weil sie genug verdient haben. nun versuchen sie sich vermutlich vergeblich als cloud dienst zu etablieren, während sie sich im nachhinein an die industrie anbiedern. hört sich eher wie ein alibi im nachhinein an, dagegen ist kim dotcom ehrlicher.
    Die umsätze bei rapidshare werden vermutlich rapide sinken, was nichts macht, weil sie auch weniger für server bezahlen werden, wenn das datenvolumen sinkt. aber da rapidshare in der schweiz sitzt sind die umsätze geheim.
    wir haben heute einfach auf der einen seite eine umwälzung der gesamten kulturlandschaft und informationsgesellschaft durch das internet, und auf der anderen seite ein traditionell gewachsenes vermarktungsmodell, das damit nicht wirklich zurechtkommt. Diese Möglichkeit einer historischen Veränderung in der menschheitsgeschichte auf dem altar der traditionellen vermarktbarkeit und der exklusivität zu opfern, ist einfach nicht verhältnismäßig oder angemessen.
    man hat ja auch nicht große supermärkte mit parkplatz verboten, als das auto aufkam, nur weil sie die lokalen marktplätze und tante emma läden verdrängten.
    wirtschaftliche modelle verändern sich mit innovation und technik, letztendlich muss das geschehen, was die massen nach guter aufklärung für ihre gesellschaft als passend empfinden, und nicht das, was irgendeine lobbygruppe vertritt, wir sind ja nicht in china oder saudi arabien.

  • "Vielmehr muss das Unternehmen von sich aus einschlägige Foren nach verdächtigen Links durchforsten,..." <br/><br/>Realitätsverlust und/oder naiv? Widerspricht jeder gesetzlichen Grundlage, darüber hinaus wird das von keinem anderen Unternehmer erwartet.

    Hier wird eindeutig mit zweierlei Maß gemessen, denn fragt jemand Rüstungskonzerne wofür deren Produkte missbraucht werden? Dieser Artikel bzw. diese ganze Debatte zeigt wieder einmal ganz deutlich wie die gesellschaftliche Moral torpediert wird. Es ist also völlig unproblematisch wenn Großbanken sich jahrelang an LIBOR/EURIBOR Zinsmanipulationen bereichern oder Länder nach deren Ressourcen geplündert werden, aber sobald jemand außerhalb der globalen Wirtschaftselite steht und eine Milliardenbranche durch Innovationen unter Druck setzt, wird die große Moralkeule geschwungen - Seriöser Journalismus geht anders. Vor dem Gesetz ist angeblich jeder gleich aber Google und MS haben ja die Lobby die sie vor etwaiger Strafverfolgung schützt. Mehrheitlich in den Medien zu behaupten die Plattform MEGA und MEGABOX waren illegal oder unmoralisch gegenüber Künstlern ist ein Zeichen von Kontrollverlust und Aufrechterhaltung monopolistischen Strukturen.

    Dieser Fall ist ein Lehrbuchbeispiel für den Zerfall der demokratischen Gleichheit vor dem Gesetz und den Preis den man zu zahlen hat stört man globale elitäre Mächte.

  • "Vielmehr muss das Unternehmen von sich aus einschlägige Foren nach verdächtigen Links durchforsten,..."

    Realitätsverlust und/oder naiv? Widerspricht jeder gesetzlichen Grundlage, darüber hinaus wird das von keinem anderen Unternehmer erwartet.

    Hier wird eindeutig mit zweierlei Maß gemessen, denn fragt jemand Rüstungskonzerne wofür deren Produkte missbraucht werden? Dieser Artikel bzw. diese ganze Debatte zeigt wieder einmal ganz deutlich wie die gesellschaftliche Moral torpediert wird. Es ist also völlig unproblematisch wenn Großbanken sich jahrelang an LIBOR/EURIBOR Zinsmanipulationen bereichern oder Länder nach deren Ressourcen geplündert werden, aber sobald jemand außerhalb der globalen Wirtschaftselite steht und eine Milliardenbranche durch Innovationen unter Druck setzt, wird die große Moralkeule geschwungen - Seriöser Journalismus geht anders. Vor dem Gesetz ist angeblich jeder gleich aber Google und MS haben ja die Lobby die sie vor etwaiger Strafverfolgung schützt. Mehrheitlich in den Medien zu behaupten die Plattform MEGA und MEGABOX waren illegal oder unmoralisch gegenüber Künstlern ist ein Zeichen von Kontrollverlust und Aufrechterhaltung monopolistischen Strukturen.

    Dieser Fall ist ein Lehrbuchbeispiel für den Zerfall der demokratischen Gleichheit vor dem Gesetz und den Preis den man zu zahlen hat stört man globale elitäre Mächte.

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