Kommentar
Kraftlose Erholung

Nach vier Anstiegen in Folge signalisiert der wichtigste Frühindikator: Deutschland steht am Rande einer Erholung.

Geschichte wiederholt sich nicht, zumindest nicht in Sachen Konjunktur. Das ist die eigentliche gute Nachricht des Ifo-Geschäftsklima-Indexes. Nach vier Anstiegen in Folge signalisiert der wichtigste Frühindikator: Deutschland steht am Rande einer Erholung. So weit war das Land im Frühjahr 2002 zwar schon einmal – aber damals entpuppte sich die erhoffte Erholung als Phantom.

Nun ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Index erneut in die Irre führt, deutlich geringer. Denn anders als vor einem Jahr steht hinter dem Optimismus der Unternehmen nicht mehr nur das Prinzip Hoffnung.

Heute ist die Erholung bereits in Ansätzen spürbar. Anders als in den Vormonaten haben die Unternehmen nicht nur positive Erwartungen. Endlich sind sie auch mit der Gegenwart zufriedener. Sie bewerten ihre aktuelle Geschäftslage so gut wie seit Oktober 2001 nicht mehr. Im vergangenen Jahr war es eine bloße Spekulation auf eine bessere Zukunft gewesen.

Die Tage des Stillstands dürften damit gezählt sein. Spätestens Anfang 2004 wird das Land wohl endlich die Stagnation überwinden. Ein Grund zur Euphorie ist dies aber noch lange nicht. Denn von einem kräftigen Aufschwung fehlt noch immer jede Spur. Mehr als eine allmähliche Erholung ist nicht absehbar – weder 2004 noch später. Denn kurz- wie mittelfristig ist das Aufwärtspotenzial der deutschen Wirtschaft begrenzt.

In den nächsten Monaten wirken die Folgen des Euro-Höhenflugs nach – dies wird die Exporte noch über Monate belasten. Und auf Dauer schränken die nach wie vor ungelösten Strukturprobleme – vor allem die im internationalen Vergleich hohen Lohnkosten und der starre Arbeitsmarkt – den Spielraum nach oben erheblich ein: Mehr als 1 bis 1,5 Prozent Wachstum sind mit den heutigen Strukturen nicht möglich, zeigen Berechnungen des Sachverständigenrats. Für eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt ist das zu wenig – neue Jobs entstehen erst ab einem Wachstum von rund zwei Prozent.

Wichtiger als das kurzfristige Ankurbeln der Konjunktur durch vorgezogene Steuersenkungen ist daher, die langfristigen Wachstumskräfte des Landes zu stärken – durch Strukturreformen wie einen wirklichen Umbau des Sozialsystems. Rhetorisch zeigt der Kanzler bereits Einsicht. Doch Lippenbekenntnisse alleine genügen nicht.

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