Kommentar
Nur der erste Schritt

Durchatmen in Stuttgart: Nach zähem Ringen haben sich Vorstand und Betriebsrat bei Daimler-Chrysler auf ein Sparpaket geeinigt. Erstmals müssen erfolgsverwöhnte Mercedes-Arbeiter Opfer bringen – etwas, was sonst den Kollegen von VW oder Opel vorbehalten war.

Das Beispiel Mercedes zeigt, worauf sich die deutsche Automobilindustrie einzustellen hat: Sogar die Milliardengewinne der Stuttgarter Premiummarke reichen nicht aus, um auf Dauer Beschäftigung und Auslastung der Werke zu sichern. Zusätzliche Einschnitte sind unvermeidbar. Mercedes reagiert auf die zunehmende Konkurrenz, besonders aus Asien. Wer jetzt nicht gegensteuert, rutscht ab – die Vorrangstellung geht verloren.

Die vergleichsweise gut situierte Mercedes-Belegschaft muss akzeptieren, dass ihr Unternehmen nicht im wettbewerbsfreien Raum agiert. Denn andere Konzerne bauen auch schöne Autos, davor schützt auch nicht der gute Ruf der Marke.

Die Beschäftigten in und um Stuttgart haben allerdings einen großen Vorteil gegenüber den Mitarbeitern der meisten anderen deutschen Autohersteller. Sie werden zwar auf einige Hundert Euro im Monat verzichten müssen, doch dafür sind ihre Arbeitsplätze nach dem Deal relativ sicher.

Bei Opel und Volkswagen stehen die Dinge anders. Weil der Wettbewerb im Massengeschäft mit Golf und Astra ausgeprägter ist, haben die Hersteller in Wolfsburg und Rüsselsheim viel größere Sorgen. VW hat schon die Devise ausgegeben, dass die Personalkosten in den nächsten Jahren um 30 Prozent sinken müssen – ein gewaltiger Betrag.

VW bleibt wahrscheinlich gar nichts anderes übrig, als die Belegschaft massiv abzubauen. Eine weitere Arbeitszeitverkürzung steht außer Frage, schon in den 90er-Jahren hatte VW die Viertagewoche eingeführt. Opel hat auch nicht mehr viel Luft nach unten: In Rüsselsheim gilt bereits die 30-Stunden-Woche.

Der Mercedes-Pakt ist insofern nur eine mildere Version dessen, was den meisten anderen Autoherstellern in viel größerem Ausmaß erst noch bevorsteht. Denn dass plötzlich der große Run auf deutsche Autos einsetzt und so die Fabriken wieder ausgelastet werden können – daran glaubt heute niemand.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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