Kommentar
Prokon-Anleger, wacht auf!

Über Jahre konnte Prokon seine großzügigen Zinsen nur mit neuem Anlegergeld finanzieren. Damit ist es nun vorbei. Anleger sollten sich auf hohe Verluste einstellen.
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DüsseldorfBei Prokon ist das Wort Insolvenz ausgesprochen. Doch den Glauben an ihre Investition und die Ideen des Chefs Carsten Rodbertus haben viele Anleger trotzdem noch nicht aufgegeben. Eine Gruppe der „Freunde von Prokon“ will sich dafür einsetzen, dass sich „Prokon prächtig weiterentwickelt“.

Was sie nicht einsehen mögen: Über Jahre konnte Prokon seine großzügigen Zinsen nur mit neuem Anlegergeld finanzieren und hat damit Verluste in mehrfacher Millionenhöhe produziert. Nun häufen sich die Hiobsbotschaften. Erst drängte Rodbertus seine Anleger, ihre Zinsen nicht mehr abzurufen, sondern im Unternehmen zu lassen. Nun sein dringender Brief, kein weiteres Geld mehr abzuziehen, weil sonst die Insolvenz drohe. Seine Appelle scheinen zu wirken. Kündigungen in Höhe von 9,36 Millionen Euro haben Anleger bereits seit Anfang Januar zurückgenommen.

„Carsten Rodbertus genießt aufgrund der Glaubwürdigkeit seiner Person und seines Konzeptes unser vollstes Vertrauen“, schreiben die Freunde Prokons. Aufwachen, kann man vielen Anlegern nur sagen. Auch wenn Anleger auf eine Kündigung ihrer Genussrechte verzichten, ihr Kapital im Unternehmen lassen oder gar neues Geld einschießen: eine Rettung ist höchst unwahrscheinlich. Die Windkraftwerke Prokons liefern zwar Strom, der wird auch ordentlich bezahlt, doch die Einnahmen und der Wert der bestehenden Anlagen reichen nicht, um dauerhaft die versprochenen Zinsen zu zahlen und den Anlegern ihr volles Geld zurückzubezahlen

Windkraftwerke am laufenden Band wollte Rodbertus bauen. Das ist ihm nicht gelungen, zu schwierig ist dieser Markt heute. So hat er aus dem vielen Geld, das Anleger ihm neu anvertraut haben, erst mal die Zinsen bezahlt und es in wenig rentable Projekte wie eine Ölmühle, einen Palettenhersteller oder gar rumänische Wälder gesteckt. Großzügig versenktes Geld. Mit Glück sehen Anleger einen Teil ihrer Investments wieder. Zinsen von sechs oder acht Prozent gehören der Vergangenheit an. Um Geld zurückzufordern, ist es jetzt wohl zu spät. Anleger sollten sich auf hohe Verluste einstellen. Bloß nichts mehr nachschießen!

Kommentare zu " Kommentar: Prokon-Anleger, wacht auf!"

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  • Prokon ist m.E. kerngesund und in verschiedenen Branchen
    erneuerbarer Energien gut aufgestellt, dazu mit nur
    rd. 4% der Sachanlagen durch Banken finanziert.
    Die bösen Kommentare der Sensationspresse riechen
    stark nach einer vorgesehenen feindlichen Übernahme
    oder neidischen Konkurrenten. Fehler des Inhabers:
    Zinshöhe über der Ertragslage und zu kurze Kündigungs
    möglichkeit. Aber das kann man ändern. Und bei
    entsprechenden Sicherheiten gieren die Banken nach
    vorübergehenden Krediten. Also die Insolvenz kann
    abgewendet werden. Siegfried Eckert

  • Vor einigen Jahren gab es eine Internetseite "Windkraftnieten". Auf der wurde behauptet: Prokon zahlt zu wenig Zinsen, 10 bis 15 % Rendite sollte aus einem Windrad erwitschaftet werden können. !?!

    Niemand kann kurzfristig zu viel Geld zurückzahlen. Das Geld lässt sich schließlich nicht aus einem Windrad herausschneiden! Trotzdem haben die Windräder einen Wert.

    Ich habe bisher 40% meines Kapitals als Zins bekommen. Der Staat hat übrigens auch seinen Anteil kassiert.
    Den Rest möchte ich auch wieder haben, deshalb lasse ich die Genussrechte wo sie sind.

  • Erneuerbare Energien sind eine “Erfolgsstory” “Top-Rendite durch Öko-Produkte – mit diesem Versprechen hat Prokon über eine Milliarde Euro eingesammelt. Jetzt droht das Windenergieunternehmen seinen Anlegern mit der Insolvenz noch im Januar. Es sei denn, die verzichten vorübergehend auf ihr Geld. ”Dieses Schneeballsystem ist zum Scheitern verurteilt. Das Geschäftsmodell ist auf ewige Subventionen ausgelegt. Bleiben diese aus, sind sie pleite! Beispiele hierfür gibt es genug.Siehe Q-Cells, Solar World, Solar Millennium, und jetzt auch Prokon. Die Kurse gingen durch die Decke, jetzt sind sie quasi wertlos. Aber es gibt ja eine für 20 Jahre feste Einspeisevergütung! Da ist es uninteressant, wie der Marktpreis sich entwickelt. Windmüller und PV-Bauern kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten. Der Verbraucher zahlt ja dank der EEG-Zwangsabgabe. Und wenn eines dieser “Unternehmen”, deren Geschäftsmodell auf ewige Subventionen ausgelegt ist, pleite zu gehen droht, schreien sie nach dem Staat! Wir müssen gerettet werden!

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