Kommentar
Röttgen ist der falsche Kandidat

Der CDU-Spitzenkandidat für die NRW-Landtagswahl hat einen Klotz am Bein: Berlin. Dass Norbert Röttgen an seinem Posten als Umweltminister festhalten will, hilft weniger ihm selbst denn Kontrahentin Hannelore Kraft.
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Wahrscheinlich kennt Norbert Röttgen Madame de Staël nicht einmal. Die Dame war eine Pariser Schriftstellerin mit deutscher Verwandschaft. Sie schuf den Satz: „Man muss im Leben wählen zwischen Langeweile und Leiden.“ Wir wissen nicht, ob Röttgen sich in der Berliner Warteschleife für höhere Aufgaben gelangweilt hat. Auf jeden Fall hat er sich jetzt für eine Leidensstrecke in Düsseldorf entschieden. Anders lässt sich ein Wahlkampfmarathon mit wenig Aussicht auf Erfolg nicht beschreiben. Das Volk aber mag weder Langweiler noch Leidende. Es mag Siegertypen. Und deswegen ist Röttgen der falsche Kandidat für NRW.

Wie er sein Leiden zelebriert, war gestern bei seinem ersten Wahlkampftermin in Düsseldorf zu besichtigen. Röttgen stellte seine weitgehend unbekannte Staatssekretärin aus Berlin, Ursula Heinen-Esser, als Schattenministerin für das weitgehend unbedeutende Amt der Ministerin für Bundesangelegenheiten und Europa vor.

Danach rang er um eine Antwort auf die Frage, was er von der Initiative der Oberbürgermeister im Revier halte, den Solidarpakt Ost aufzukündigen und das Geld an die Ruhr zu pumpen. Die einzig richtige Antwort eines Wahlkämpfers darauf lautet: „Super Idee!“ Röttgens Antwort auf die Forderung lautete aber anders: „Das ist auch 20 Jahre nach der Einheit kein Stil, der den Westen – und Nordrhein-Westfalen als größtes Industrieland – auszeichnen sollte.“ Der Mann antwortet auf die Verzweiflung perspektivloser Menschen im Revier mit Stilfragen. So klingt einer, der darunter leidet, sich von seiner bundespolitischen Verantwortung nicht verabschieden zu können und deswegen in der Landespolitik nicht ankommt. Wer bitte soll diesen Mann wählen?

Diesen Mann, der die Energiewende der Kanzlerin mitzuverantworten hat. Eine Wende, die Arbeitsplätze kostet und Deutschland zu dem Land in Europa macht, in dem die Strompreise künftig am höchsten sind. So sehen es viele Menschen in Nordrhein-Westfalen. Nur Röttgen sieht es anders. Er fordert die Stromkonzerne auf, steigende Strompreise nicht länger mit der Energiewende in Verbindung zu bringen. „Dafür habe ich kein Verständnis, denn dies riecht nach Abzocke der Verbraucher und bringt die Energiewende in Verruf.“

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