Kommentar
Rom zündelt am Euro

Aus der politischen Krise nach den gescheiterten Verfassungsreferenden droht eine Krise der Europäischen Währungsunion zu werden. Angefacht wird sie von Problemländern im Süden der EU. Schon kokettieren Minister in Rom mit der Rückkehr zur Lira.

Die Währungsunion geht raueren Zeiten entgegen. Zerfallen wird sie nicht. Deutschland, das einzige größere Land, das an einen Austritt denken könnte, hat kein Interesse mehr daran. Die Bundesrepublik ging mit einem hohen Einstiegskurs der D-Mark und hohen Löhnen in die Währungsunion. Ihren traditionellen Zinsvorteil gab sie auf. Während die sinkenden Zinsen für die anderen Länder ein riesiges Konjunkturprogramm waren, musste unser Land mit für die eigenen Verhältnisse zu hohen Zinsen leben. Doch nach sieben Jahren deutlich unterdurchschnittlichen Lohnsteigerungen und einer entsprechend schwachen inländischen Nachfrage hat es die größten Schmerzen hinter sich, seine Wettbewerbsfähigkeit innerhalb Europas mehr als wiedererlangt.

Das Problem haben nun die Länder, die zunächst am meisten profitierten. Hier trieb der Boom den Boom, bis Preise und Löhne so gestiegen waren, dass die Wettbewerbsfähigkeit litt. Italien und Portugal sind schon mitten in der Wachstumsschwäche, und Rom gibt dem Euro die Schuld. Auch in Spanien wird der Bauboom nicht ewig die aufgestauten Wettbewerbsprobleme überdecken. Diese neuen Problemländer werden ähnlich lange an ihrer Schwäche laborieren wie Deutschland.

Die Währungsunion wird daran nicht zerbrechen. Denn während Deutschland immerhin hätte hoffen können, sich den alten Zinsvorteil zurückzuholen, winken diesen Ländern nur deutlich höhere Zinsen. Das Klima zwischen Politik und Notenbanken dürfte allerdings härter werden. Denn wenn sich die Löhne in Ländern anpassen müssen, die damit keine Erfahrung haben, wächst der Appetit auf niedrige Zinsen und Inflation, die als Schmiermittel die Anpassung erleichtern sollen. Silvio Berlusconis Angriffe auf die Europäische Zentralbank waren nur der Auftakt zu dem, was kommt.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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