Kommentar
Solarindustrie steht sich selbst in der Sonne

Die Photovoltaik-Produzenten fordern, der Billigkonkurrenz aus Asien den Marktzugang zu erschweren. Helfen würde das jedoch nur kurzfristig. Die Branche muss selbst an sich Arbeiten, statt nach der Politik zu rufen.
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Der Solarbranche geht es schlecht. Insolvenzen und rote Zahlen sorgen für miese Stimmung bei den Herstellern von Solaranlagen. Der Schuldige an dem Niedergang der Zukunftsbranche ist aus Sicht der Firmen schnell ausgemacht: die chinesische Konkurrenz. Sie überschwemmt den Markt in Amerika und Europa mit Solaranlagen zu Tiefstpreisen – und vernichtet so die Hersteller.

Deshalb haben sechs US-Hersteller auf Initiative des größten deutschen Solarunternehmens Solarworld die Initiative Coalition for American Solar Manufacturing (CASM) gegründet. Solarworld-Chef Frank Asbeck hat ein Interesse daran, sein Geschäft in den USA vor den Angreifern aus Asien zu schützen. Er will Antidumpingzölle gegen chinesische Wettbewerber wie Suntech und Yingli & Co. durchsetzen. Das hilft jedoch allenfalls kurzfristig und schadet dem Wettbewerb.

Dennoch hält Asbeck daran fest. Er setzt auf Präsident Barack Obama, der sich seit dem Beginn seiner Präsidentschaft klar zur grünen Energie bekannt hat. Er wolle keine im Ausland produzierten Windturbinen, Solarmodule und High-Tech-Batterien, sagte der um seine Wiederwahl kämpfende Obama vor kurzem. Grüne Technologie soll aus Amerika kommen.

Doch aus dem großen Schlag gegen die Chinesen wird erst einmal nichts. Das US-Handelsministerium verschob jetzt überraschend seine Antidumping-Entscheidung auf Mitte Mai. Stattdessen verhängt es Subventionszölle. Und die fallen äußerst moderat aus. Um maximal fünf Prozent verteuern sich die Importe chinesischer Solarzellen und -module in die USA. Das sei nur ein erster Schritt, hofft Solarworld auf drastischere Zölle im Mai.

Doch Zölle, ob hoch oder niedrig, sind schlecht für die darbenden westlichen Solarfirmen. Die politische Rückendeckung verschafft ihnen allenfalls ein paar Monate Luft im Überlebenskampf. Gegen die gewaltigen weltweiten Überkapazitäten bei Solarmodulen und die Kürzung der Solarförderung in vielen Ländern sind Schutzzölle dauerhaft kein geeignetes Mittel – im Gegenteil. Die Ungleichgewichte muss der Markt regeln, nicht die Politiker.

Die Politik kann zwar Unternehmen Anreize bieten. So kann sie Forschung und Entwicklung fördern, damit die Firmen sich besser im internationalen Wettbewerb behaupten können. Doch den Niedergang von Unternehmen kann sie nicht verhindern. Das zeigen Beispiele wie aus der Unterhaltungselektronikbranche, die in Deutschland fast verschwunden ist.

Die europäische und die amerikanische Solarbranche müssen ihre strukturellen Probleme selbst lösen: die Produktionskosten senken, die Leistung ihrer Module verbessern und ihre Fertigung sowie ihren Vertrieb im Weltmaßstab organisieren. Die Solarbranche braucht keine starke Politik, die sie vor Wettbewerbern schützt, sondern starke Unternehmen, die im Wettbewerb auf dem Weltmarkt bestehen – ohne einen Schutzwall.

Der Autor ist erreichbar unter: weishaupt@handelsblatt.com

Kommentare zu " Kommentar: Solarindustrie steht sich selbst in der Sonne"

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  • Natürlich bleibt Dumping Dumping - das hat mit freier Marktwirtschaft nichts zu tun. Dennoch hat der Autor recht: Strafzölle sind keine wirkliche Lösung, höchstens ein Mittel, um kurzfristig Handlungsspielraum zu gewinnen. Deutsche Unternehmen sind dann erfolgreich, wenn sie die höheren Produktionskosten hier durch Innovationen überkompensieren: wir müssen einfach immer besser sein. Mit Commodities kommen wir hier nicht weiter, Dumping oder ohne, denn auch ohne Dumping sind Produktionskosten in anderen Ländern fast immer niedriger. Daimler, BMW und Co wachsen gegen den weltweiten Trend, weil die deutsche Automobilindustrie mit 20 Mrd. € ein Drittel der hiesigen F&E-Aufwendungen der Industrie aufbringen. (Die zweitplatzierte Elektroindustrie übrigens weniger als die Hälfte der Summe.) Wir müssen immer besser sein und den Wettbewerb über Leistung gewinnen - im Preiskampf sind wir immer verloren. Wenn wir nur das gleiche produzieren wie die anderen, dann können wir die Solarbranche in Deutschland vergessen.

  • Der Autor hier kriecht mit seiner Meinung geradezu den Chinesischen Herstellern in den aller Wertesten!!!
    Nun zur Erklärung:
    Er sagt die europäischen so wie die amerikanischen Firmen müssen lernen sich am Weltmarkt zu behaupten und wettbewerbsfähig werden!
    Aber genau das können chinesische Hersteller eben nicht, denn sie sind nur wettbewerbsfähig, weil sie ihre Module weit unter den Herstellungskosten verkaufen!!
    Dies wird an den durchwegs tief roten Bilanzen deutlich!
    Und machen können sie dies nur weil sich in China die Politik massive einmischt und für die Solarhersteller billigste Kredite über halbstaatliche Banken bereit stellt!!
    Und bei diesem offensichtlichen Dumping seitens Chinas den anderen vorzuwerfen sie seien nicht wettbewerbsfähig,dass ist einfach nur ein schlechter Witz!!

  • Die Sonneneinstrahlung ist zu schwach und hierzulande auch vielzu unstetig um damit wettbewerbsfähigen Strom zu erzeugen. Das gesamte Geschäftsmodell der Solarindustrie beruht auf dem erzeugen von Illusionen und darauf basierenden Subventionen.

    Die Deutschen Solarfirmen haben extrem hohe Aufwendungen für Medien- und Politikpflege mit denen die Solarindustrie diese Illusionen schürt. Die chinesischen Firmen haben lediglich die Kosten der Herstellung dieser religiösen Monumente und sind neben der grundsätzlich günstigeren Kostenstruktur sehr im Vorteil.

    Wenn die Gesellschaften der Altindustrieländer finanziell nicht mehr aus dem Vollen schöpfen können, kommen natürlich diese Subventionen auf den Prüfstand und die Branche muss schrumpfen.

    Ein schnelles Verschwinden der Solarzellen/modulfertigung ist sehr vorteilhaft. Andernfalls drohen Bestandssubventionen für diese Branche analog des Ruhrkohlebergbaus auch wenn die Illusion der Solarenergie längst vergangen ist.

    Vandale

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