Kommentar
Vergeben? Ja. Vergessen? Nein!

Tebartz-van Elst wird suspendiert, doch sein Amt darf er erst einmal behalten. Wenn die Katholische Kirche nicht noch mehr an Glaubwürdigkeit – und Mitgliedern – verlieren will, darf der Bischof nicht ins Amt zurück.
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Immerhin, die Katholische Kirche reagiert – und zwar relativ schnell. Das ist schon etwas Besonderes. Denn eigentlich will sich die Kirche nicht reinreden lassen, nicht von der Politik, erst Recht nicht von den Medien – bei keinem Thema.

Vielleicht ist es die Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die die Affäre um Tebartz-van Elst als „sehr belastend“ für die Katholiken bezeichnete. Vielleicht sind es auch die enttäuschten Kirchenanhänger oder die rückläufigen Spenden. Klar ist jedoch: 31 Millionen Euro für den Limburger Bischofssitz sind Papst Franziskus zu viel – und haben ihn zum Handeln getrieben.

Der Heilige Vater ist bekannt für seine Bescheidenheit, dafür, dass er den Luxus scheut. Er fährt lieber mit dem Bus oder mit dem Fahrrad als sich chauffieren zu lassen, ist einer, der die Armut kennt, der vor der Realität in seiner Heimat Argentinien nicht die Augen verschließt, der die Menschen wahrnimmt. Und seine Einstellung steht der Katholischen Kirche gut zu Gesicht.

Dann kommt einer daher, der das ganz anders hält. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der lieber das Geld für Prunkbauten verprasst. Egal, ob wissentlich oder nicht. Das tut nichts zur Sache, der Bischof ist nicht haltbar – gerade für den Heiligen Vater und das, wofür er steht.

Nun ist der Limburger Bischof also suspendiert. Doch sein Amt verliert er nicht. Nach Abschluss der Untersuchungen soll neu entschieden werden. Doch das reicht nicht. Denn dieses offene Hintertürchen können sich die Katholiken nicht erlauben.

Denn die Affäre um den Prunk des Bischofs kostet die katholische Kirche Glaubwürdigkeit. Etwas, was sich die Institution um jeden Preis erhalten muss, wenn sie den Mitliederschwund stoppen will. Sie wird die Christen vielleicht nicht in ihrem Glauben an die Katholische Kirche schwanken lassen, wohl aber an der Institution Kirche. Zu Recht.

Deshalb muss der Vatikan hart bleiben und den Bischof nicht wieder in sein Amt zurück schicken. Zwar ist es einer der Grundsätze der Christen, um Vergebung zu bitten und Fehlverhalten zu vergeben. Doch vergessen werden darf die Affäre deshalb nicht.

Kommentare zu " Kommentar: Vergeben? Ja. Vergessen? Nein!"

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  • @Ockhams

    Poldi schreibt:
    Ausser einem humanistischen Grund verstehe ich Ihre Forderung zur Hilfe durch die katholische Kirche nicht

    Ockhams schreibt:
    Ein Mensch ist ein Mensch. Sein Glaube ist seine Privatsache. Treibt er im Meer, hungert er, dann will er nur eins: Leben.

    Deshalb der humanistische Grund.

    In der Realität hat ihre Forderung an die katholische Kirche mit dem Herausfischen schon ein großes Stück Illusion. Ich glaube nicht, daß christliche, Katholische Seefahrt dazu in der Lage ist

    Ockhams:
    Und wer ihn dann aufgrund seines Glaubens alleine lässt ist nicht zu respektieren.

    Da haben Sie Recht. Die Islamischen Hifsorganisationen haben bei der Hilfe für ihre Glaubensbrüder ein absolut armseliges Bild abgegeben.

    Schönen Tag noch.

  • "Sie hätten ihn in erster Linie besser an den Roten Halbmond oder andere islamische Hilfsorganisationen richten sollen, da diese bedürftigen Wirtschaftsflüchtlinge gröstenteils Islamis sind."

    Es sind genau diese künstlichen Unterscheidungsgründe, die wirksame Hilfe verhindern. Ein Mensch ist ein Mensch. Sein Glaube ist seine Privatsache. Treibt er im Meer, hungert er, dann will er nur eins: Leben. Und wer ihn dann aufgrund seines Glaubens alleine lässt ist nicht zu respektieren.

  • @Hilmar

    Lampedusa besuchen können alle, aber diesen Leuten wirklich mit Geld der Kirche - welches ja reichlichst vorhanden ist - helfen, hat auch dieser Papst nicht getan und wird es nie tun. Es lebe die "Neu-Evangelisierung" die seit 2005 und BXVI. läuft

    Sie bringen hier was durcheinander.

    Eine Hilfe an Islamis kann auch als Missionierung ausgelegt werden, welche strengstens untersagt ist.
    Ausser einem humanistischen Grund verstehe ich Ihre Forderung zur Hilfe durch die katholische Kirche nicht.
    Ihr Aufruf hat die falsche Adresse. Sie hätten ihn in erster Linie besser an den Roten Halbmond oder andere islamische Hilfsorganisationen richten sollen, da diese bedürftigen Wirtschaftsflüchtlinge gröstenteils Islamis sind.

    Schönen Tag noch.

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