Kommentar
Wenig Gewinner, viele Verlierer

Nur wenige Hersteller in Europa verdienen mit ihren Autos Geld, kritisiert Sergio Marchionne von Fiat. Ein Musterbeispiel für eine gelungene Kombination von Masse und Klasse ist der deutsche Hersteller VW.
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Es ist nicht die Stunde der Optimisten. Die "zuversichtlichste Prognose" für den europäischen Autoabsatz sei Stagnation bis ins Jahr 2014, sagt Fiats Vorstandschef Sergio Marchionne. Die Stimmung in der Industrie ist kurz vor der Eröffnung des Branchentreffs Genfer Autosalon wenig frühlingshaft. Das hat einen guten Grund. "Tatsache ist, dass nur ganz wenige Hersteller in Europa Geld verdienen", erklärt Marchionne als Präsident des europäischen Autoverbands ACEA. "Das ist nicht tragbar und muss sich ändern." Fiat, Ford Europa, Opel, PSA - der Mutterkonzern der Marken Peugeot und Citroën - und Renault verlieren Geld in ihren Heimatmärkten.

Das liegt nicht nur an den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den südlichen Schuldenstaaten Europas. Die Probleme sind auch hausgemacht. Im Frühjahr 2012 teilt sich die europäische Autowelt in wenige Gewinner und viele Verlierer. Für die meist aus dem Süden stammenden schwachen europäischen Hersteller gilt, dass sie zu viele, zu kleine und damit margenschwache Modelle in ihrer Heimatregion fertigen, die Globalisierung verschlafen und sich zu wenig um die veränderten Wünsche ihrer Kunden gekümmert haben. Doch dem Übel geht es nicht an die Wurzel. Um Kosten zu sparen und der Übermacht von Marktführer Volkswagen etwas entgegenzusetzen, sucht Marchionne einen Partner in Europa. PSA hat ihn gerade gefunden, verbündet sich mit der weltweiten Nummer eins, General Motors (GM). Ziel des franko-amerikanischen Gespanns ist es, Milliarden zu sparen - indem sie gemeinsam einkaufen und perspektivisch möglichst viele Gleichteile einsetzen. Branchenkenner hegen zu Recht Vorbehalte, verweisen auf die Rivalität der GM-Tochter Opel mit Peugeot und Citroën. Es handelt sich durchweg um schwache Marken, deren Manager in den vergangenen Jahren viele Fehler gemacht haben.

Warum sollten sie gemeinsam stark sein? Opel rechnet mit weiteren Einschnitten - eine Vorwärtsstrategie sieht anders aus. Eine ernsthafte Lösung bestünde darin, Fabriken dichtzumachen. PSA baut in Frankreich und Portugal viel zu teuer Kleinwagen, die wenige Käufer finden und mit hohen Rabatten verkauft werden. Die Franzosen haben zumindest erkannt, dass sie ihre Strategie ändern müssen. Nach dem Vorbild der deutschen Autobauer schlagen sie jetzt den Premiumpfad ein, setzen auf höherwertige Modelle, für die Kunden bereit sind, einen Preisaufschlag zu zahlen. Wie das funktioniert, zeigt Volkswagen. Mit attraktivem Design, emotionaler Markenführung und technischen Innovationen gelingt es den Deutschen, im umkämpften Volumenmarkt einen Preisaufschlag gegenüber dem Wettbewerb herauszuholen, von im Schnitt mehr als fünf Prozent - und das wohlgemerkt nicht mit der Edelmarke Audi, sondern mit der Kernmarke VW.

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  • babsack69
    Ein kleiner Zitat von vor über 20 Jahren. Da hat ein Redakteur Herrn Eberhard von Kuenheim (damals Vorstandsvorsitzender der BMW AG) gefragt: "Herr Dr von Kuenheim, gibt es nicht schon genug Autos auf der Welt?" Herr von Kuenheim: "Ja, aber nicht genug BMW!".
    Johannes
    "Glauben Sie wirklich unter diesen Bedingungen sind die Menschen bereit viel Geld in die Hand zu nehmen um sich ein neues Auto zu kaufen?!" Gehen Sie in diese Länder. Was werden sie dort vor allem sehen? Teure Audis und SUVs made in Germany. Die Menschen sind immer bereit viel Geld für gute Produkte auszugeben...
    Am ende fällt mir nur ein sehr bezeichnendes Zitat der Herrn Rudolf Hruska ein der einmal gesagt hat: "Es gibt nur zwei Möglichkeiten in der Autoindustrie. Entweder man macht es richtig und verdient enorm viel Geld. Oder man macht es falsch und verliert enorm viel Geld."

  • @babsack69

    Die Autobauer bewegen sich seit Jahren in einem gesättigten Marktumfeld und die Überkapazität war auch schon vor der Wirtschaftskrise 2008 bekannt.

    Doch sie haben unrecht, wenn sie als Grund für die 2012 zu erwartenden Rückgänge eine Marktsättigung anführen. Wenn auf einem Markt vorher regelmäßig ca. 18 Millionen Fahrzeuge abgesetzt wurden und nun für dieses Jahr 14 Millionen, dann ist Marktsättigung keine Erklärung.

    Schauen sie sich doch erstmal das viel näherliegende Problem an: nahezu ganz Südeuropa ist hoch verschuldet, Sparprogramme beschlossen, die Arbeitslosigkeit steigt, etc. Glauben Sie wirklich unter diesen Bedingungen sind die Menschen bereit viel Geld in die Hand zu nehmen um sich ein neues Auto zu kaufen?!

  • Laß mal nachdenken.Wir stehen in Städten beim Stop´nd go in den Hauptstraßen,auf der Autobahn im Stau,sobald irgendetwas vom Plan abweichendes vorliegt,könnte es da sein,dass der Markt für Autos nahezu gesättigt ist?Verzweifelte Versuche der Autoindustrie,wie das Anzünden von Nobelkarossen,oder von der Regierung,in Form von Abwrackprämien,helfen auch nicht mehr.

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