Kommentar
Wenn global zur Falle wird

Die Globalisierung hat den Unternehmen höhere Effizienz und Gewinnmargen gebracht. Doch die immer komplexere globale Verflechtung birgt auch Risiken und gefährliche Abhängigkeiten. Es wird Zeit für ein Umdenken.
  • 7

Der Versicherungsmakler Marsh warnte gestern seine Unternehmenskunden, die Risiken in ihren eigenen Zulieferketten nicht zu übersehen. Als Beispiel für Risiken nannte er die Explosion in einem Chemiepark in Marl. Dadurch drohen laut Marsh Lieferengpässe "bis hin zu Werksstilllegungen", betroffen sind vor allem Flugzeug- und Autobauer sowie deren Zulieferer "aus aller Welt". Denn in Marl wird Polyamid 12 hergestellt - ein Stoff, den viele Unternehmen brauchen, aber nur wenige herstellen.

Ein Störfall in Nordrhein-Westfalen kann also weltweite Auswirkungen haben. Es gab freilich in letzter Zeit weitaus prominentere Beispiele, etwa das Erdbeben in Japan und die Überflutungen in Thailand, die unter anderem für die Elektronikindustrie gravierende Auswirkungen hatten. Auch diese Beispiele machen deutlich, wie verletzbar Unternehmen durch die weltweite Arbeitsteilung geworden sind.

Für die Versicherungsbranche ist diese Verletzbarkeit Anlass, neue Produkte zu entwickeln, mit denen diese Risiken abgesichert werden sollen. Aber für die Unternehmen selbst sollte sie Anstoß zum Nachdenken sein: Wie viel Arbeitsteilung ist sinnvoll? Und damit auch: wie viel Globalisierung? Wiegen die Gewinne durch eine höhere Effizienz die Risiken durch immer komplexere Lieferbeziehungen tatsächlich noch auf?

Die Verflechtungen der Unternehmen und Branchen untereinander nehmen, wenn sie niemand bremst, von allein zu. Das liegt an der technischen Entwicklung, ist aber auch eine Art Grundtendenz, vergleichbar dem physikalischen Grundsatz der zunehmenden Entropie oder der allseits bekannten Regel, dass Unordnung von allein entsteht, Ordnung aber nur durch planvolles Handeln. Manchmal kommen politische Entscheidungen hinzu: Die Energiewende etwa sorgt für eine dramatisch steigende Komplexität der Stromversorgung - verbunden mit den entsprechenden Risiken.

Kommentare zu " Kommentar: Wenn global zur Falle wird"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Im Prinzip haben sie mich nicht falsch verstanden.
    Ich sehe auch das Problem in ihren Beitrag sachlich gegenwärtig als wichtig an. Ich wünschte mir mehr wissenschaftlich untersuchten oder hinterfragten Input zu dem Hauptthema. Ihr Beitrag wäre nur aus meiner Sicht auf einen dementsprechenden Versichererartikel besser kommentiert. Da könnten sie dann auf diesen Artikel verweisen. Mir ging es nicht um ihren Inhalt. Nur um das positionieren. Das Politikersystem und deren Lobbyarbeit ist mir gut bekannt.

  • Wie kann ein "querdenker" so einen quatsch kolportieren, dass das oel mal zur neige gehen koennte. Information ist nicht bringschuld sondern holschuld!

  • Ach nein, was fuer eine ueberraschung! Die globalisierung entaelt auch risiken; wer haette das gedacht?
    Nach einhelliger meinung aller aktuellen und ins globale netz gefluechteten politiker hat die globalisierung nur eines: VORTEILE!
    Alles andere ist doch verschwoerungstheorie, oder nicht?
    Wie dumm muss ein volk sein, das solche, noch duemmere kreaturen, wie es ihre vertreter sind, hervorbringt?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%