Kommentar
Wie China die Krise bändigte

Als Einzige der großen Volkswirtschaften kann ausgerechnet China noch normale Wirtschaftspolitik betreiben. Auch wenn die Konjunktur auf einem Dreijahrestief angekommen ist, die wirtschaftliche Lage ist entspannt.
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Das ist schon eine verrückte Welt: Ausgerechnet die Kommunisten in China sind die Einzigen unter den fünf größten Volkswirtschaften, die ihre Ökonomie noch normal steuern. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt funktioniert verlässlich wie ein Heißluftballon im Sommerwind. Die EU, Japan, die USA und Brasilien sind seit Jahren in einem permanenten Ausnahmezustand, Europa leidet gar an Panikattacken.

Die Politiker der großen Industrienationen können sich an normale Zeiten schon kaum mehr erinnern, als es noch möglich war, die Wirtschaft mit gewöhnlichen konjunkturellen Methoden zu trimmen, ergänzt durch einen Feuerstoß punktueller Konjunktur- oder Sparprogramme.

In China funktioniert das noch erstaunlich gut. 2008, in der größten globalen Wirtschaftskrise seit 80 Jahren, war Peking sogar wieder globaler Vorreiter und Stabilisator. Bereits im November begann die Regierung, die Krise mit dem bis dato umfangreichsten Konjunkturprogramm der modernen Wirtschaftsgeschichte zu bekämpfen. Das hat nicht nur China, sondern auch der Welt geholfen.

Ab Oktober 2010 ging sie dazu über, die überhitzte Wirtschaft wieder abzukühlen. Die Inflation hatte einen Spitzenwert von 6,5 Prozent erreicht. Auch das hat funktioniert. Chinas Wirtschaft ist mit einem Wachstum von 7,6 Prozent zwar in einem Dreijahrestief, aber noch im Bereich der allgemeinen Erwartungen. Nun muss jedoch wieder mehr Feuer in den Ballon, vor allem, weil die Nachfrage der Europäer nachlässt. Wenn das europäische Wachstum um zwei Prozent einbricht, sinkt Chinas Wachstum schätzungsweise um ein knappes Prozent.

Dass Chinas Wirtschaft im Normalbetrieb läuft, wird deutlich, wenn man die Leitzinsen der führenden Wirtschaftsnationen vergleicht. In den USA liegt der Leitzins seit Dezember 2008 bereits bei rund null Prozent, ebenso in Japan, dessen Krise am längsten dauert. In der EU wurde er gerade auf den historischen Tiefstand von 0,75 Prozent gesenkt. Und auch in Brasilien ist der Leitzins auf seinem historischen Tief, nachdem im vergangenen Jahr das Wachstum von 7,5 Prozent um zwei Drittel gefallen ist.

Kommentare zu " Kommentar: Wie China die Krise bändigte"

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  • ja, ich bin auch bei ihnen. die wesentliche aussage des autors ist, dass die "steuerungsmechanismen" der notenbank noch funtionieren. ich kann es leider nich genau beurteilen, da ich keine daten hab. aber mir fällt nu mal auf, dass in angelsächsischen publikationen dazu ständig auf den chinesischen statistiken rumgehackt wird. die begründung hier zu, kann mann/frau ja leicht er/durchdenken. und i hab ja scho meine problem mit de eurostatistiken! ich glaub die chinesen sind da, wo wir 1880-1890 waren. wenn dem so ist, werden wir nich nur wirtschaftlich hochinteressante dinge erleben, sondern auch ein "kulturelles erblühen" .... ich hoffe dass se auch mit uns fair umgehen, aber vor allen dingen göne ich den menschen ihren erfolg von herzen.

  • Sie beide sind von unseren Massenmedien Brain-Washed und haben keine Ahnung was eigentlich los ist.
    China manipuliert seine Währung? Was glauben Sie eigentlich was die Schweiz, die USA und Europa machen? Die leerstehenden Luxusappartments können sich die Chinesen im Gegensatz zu den Spaniern leisten. Die sind meistens voll bezahlt, wegen restriktiver Kreditvergabe und Mangel an alternativen Anlagemöglichkeiten.

  • Ich muß mich dem Vorredner anschließen, diese Verhältnisse wurden von Ihnen leider in dem Bericht völlig ignoriert!

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