Kommentar
Wie die FDP ihre Apotheker schützt

Ausgerechnet die FDP hat den aufkeimenden Wettbewerb auf dem Apothekenmarkt so gut wie erstickt. Die SPD wusste die Marktkräfte besser zu nutzen als die Liberalen.
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Es gab einmal eine Zeit, da standen in der deutschen Gesundheitspolitik die Zeichen auf mehr Wettbewerb. Die Gesundheitsministerin hieß damals Ulla Schmidt, und sie kam von der SPD. Ulla Schmidt erlaubte den Krankenkassen erstmals, mit den Arzneimittelherstellern Rabatte auszuhandeln. Die Kassen sparen dadurch inzwischen über eine Milliarde Euro im Jahr. Vor allem aber hob sie die bis dahin geltenden starren Handelsspannen für nicht rezeptpflichtige Medikamente auf.

Diese Arzneimittel muss seither jeder gesetzlich Versicherte aus eigener Tasche zahlen. Das brachte einen Hauch von Preiswettbewerb für dieses Produktsegment in die deutschen Apotheken. Unter Schmidt wurde auch der Versandhandel mit Arzneimitteln erlaubt. Ausgerechnet die FDP macht dem Markterwachen jetzt wieder den Garaus.

Der zaghafte Wind des Wettbewerbs auf dem Apothekenmarkt konnte bis heute kein Sturm werden, weil selbst Ulla Schmidt davor zurückschreckte, in weitere Besitzstände der Apotheken einzugreifen. So gilt für Apotheken nach wie vor das Fremd- und Mehrbesitzverbot. Dies bedeutet, ein Apotheker darf neben seiner Hauptapotheke nicht mehr als drei Filialen betreiben. Außerdem darf Betreiber einer Apotheke immer nur ein Apotheker sein.

Beide Regeln haben bislang dafür gesorgt, dass große Unternehmen nicht in den Apothekenwettbewerb einsteigen konnten. Dies ist ein Grund dafür, dass es nach der Freigabe der Preise für nicht rezeptpflichtige Medikamente lange auch in diesem Marktsegment kaum zu Preissenkungen kam. Die Apotheken verhielten sich wie ein Monopolist.

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FDP sorgt für ihre traditionelle Klientel

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  • Die Versorgung wird sicherlich in den Städten nicht schlechter - auf dem Land allerdings wird das dann wohl anders aussehen - aber, wer braucht schon die Landbevölkerung! Sollen die doch bei Wind und Wetter 50 Kilometer weit fahren oder einfach durchhalten bis die Versandarznei da ist. Ein kurzsichtiger Gedanke, doch das ist ja heutzutage normal. Interessant dürften dann auch die Preise werden. Wieviele verschiedene Supermarktketten haben wir denn in Deutschland? Haben die etwa noch nie Preise abgesprochen? Nein, die machen sowas bestimmt nicht! Mehr Gripps und Fernblick für's Volk, bitte!

  • Hallo Herr Thelen !
    Sie haben vollkommen Recht.
    Auf dem Markt für verschreibungspflichtige Arzneimittel gibt es keinen Preiswettbewerb in der Apotheke .Der findet seit Ulla Schmidt direkt zwischen den Krankenkassen und den Herstellern statt.
    Und dort gehört er auch hin.
    In der Apotheke gibt es keine Handelsspanne ,mit der ein Wettbewerb überhaupt erst möglich wäre.
    Die Apotheker erhalten ein Honorar pro abgegebene Packung.Ca 6 € und seit 2004 unverändert.
    Unabhängig vom Preis , egal ob das Medikament 10 oder 10 000 € kostet.
    Und wenn Versandhändler allein am MWST-Gefälle zwischen Deutschland und den Niederlanden 13%
    einsparen und davon der Krankenkasse 5% Rabatt geben , dann erwarte ich nicht von Politikern, aber auf jeden Fall von einem Wirtschaftsjournalisten , daß er den volkswirtschaftlichen Aberwitz erkennt.
    Ja , sie haben Recht , wenn Sie die FDP der Klientelpolitik beschuldigen
    Nur wer ist das Klientel?
    Dieses Klientel sind die Industrie und große Handelskonzerne , denen die FDP peu a peu den Eintritt in den Markt ( s.Apotheke light in der neuen ApoBetrOrd ) vorbereitet.
    Aber im Gegensatz zu Ihnen glaube ich , daß 20000 Apotheken mehr Wettbewerb zustande bringen als
    zwei oder drei große Kettenbetreiber . Beispiele dafür brauche ich Ihnen sicherlich nicht zu nennen.
    Und Wettbewerb misst sich nicht immer in Euro und Cent.
    Nimm drei , zahl zwei kann nicht der Maßstab für Arzneimittel sein.
    Wettbewerb misst sich im Sinne des Verbrauchers auch in Qualität und Leistung und darin ,daß heute in jeder Apotheke jemand steht , der bis zur letzten Faser seines letzten Hemdes für das verantwortlich ist , was er tut und dafür haftet.
    Wie die FDP ihre Apotheker schützt das können Sie daran sehen , daß für die Apotheker nach Rösler und Bahr Ulla Schmidt Mutter Theresa
    immer ähnlicher wird .
    Heinz – Peter Wittmann
    Selbstst. Apotheker und ehem. FDP - Wähler

  • Dieses Deregulierungsgerde Ihres Apothekenketten-Lobbyisten Peter Thelen nervt. Offensichtlich hat Ihr Korrespondent "seine" Niederlage vor dem Europäischen Gerichtshof zur Gemeinschaftsverträglichkeit des apothekenrechtlichen Fremd- und Mehrbesitzverbotes, gegen das er so vehement angeschrieben hatte, immer noch nicht verdaut. Ich habe Thelen einmal bei einer Podiumsdiskussion zur Arzneimittelversorgung und Apothekenstruktur in Deutschland (und Europa) miterlebt, bei der er argumentativ so auseinander genommen wurde, dass er einem fast schon leid tun konnte. Gelernt hat Thelen daraus offensichtlich nichts. Seine Desinformationskolumnen sind keinen Deut besser geworden. Und komisch, dass es fürs Handelsblatt am Kiosk auch keine Rabatte gibt...

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