Kommentar
Wille zum Wechsel

Die Union streitet sich in der Öffentlichkeit, der CSU-Chef beschimpft die ostdeutschen Wähler, die CDU bringt ihr Programm nicht richtig rüber. Nach allen Erfahrungen aus Wahlkämpfen müsste die größte Oppositionspartei in den Umfragen abrutschen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Union stabilisiert sich zum Ende einer recht chaotischen Woche bei 42 bis 43 Prozent, die SPD streckt sich weiter nach der 30-Prozent-Marke.

Man darf in diesem Wahlkampf eben das Kräuseln an der Wasseroberfläche nicht mit der Tiefenströmung verwechseln. Die aber ist nach wie vor eindeutig. Die große Mehrheit der Wähler will die jetzige Regierung nach Hause schicken. Sollte sie am 18. September noch eine ernsthafte Chance haben, hätte schon längst eine stabile Aufwärtsbewegung für die SPD einsetzen müssen.

Die bleibt aus. Nicht, weil die Bürger den Kanzler satt hätten – den mögen sie mehr als Angela Merkel. Auch das Programm der Union mit einer höheren Mehrwertsteuer schlägt nicht ein.

Der SPD nutzt das nichts. Die Vorliebe für den Kanzler überträgt sich nicht auf seine Partei. Das liegt nicht nur an deren dürftigem Zustand, sondern auch an der Überzeugung von – laut Allensbach – mehr als der Hälfte der Wähler, dass Schröders politische Karriere beendet ist. Deshalb würde auch ein verzweifelter Schwenk der SPD, nun die große Koalition zum Wahlziel zu erheben, ihr nicht helfen: Dass Schröder sie anführen könnte, ist ebenso unrealistisch wie die Auferstehung von Rot-Grün.

Der aussichtsreichste Kandidat bei dieser Wahl hat keinen Namen und kein Gesicht. Es ist der Wechsel. Der Souverän setzt nicht auf Hoffnungswerte, weil er kaum Hoffnung hat, dass es besser wird. Fast drei Viertel der Befragten erwarten, dass eine unionsgeführte Regierung sich nicht erfolgreicher an den Problemen abarbeitet als die jetzige Mannschaft.

Aber die Wähler urteilen nach Ergebnissen. Rot-Grün hat nicht geliefert, was die Wähler erwarteten: den Abbau der Arbeitslosigkeit. Daran wird eine neue Regierung ebenso emotionslos gemessen werden wie die jetzige.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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