Kommentar zum Ifo-Geschäftsklima
Chancen für eine gute Inlandskonjunktur

Die deutsche Wirtschaft scheint sich schneller vom Mehrwertsteuerschock zu erholen als noch vor einem halben Jahr erwartet. Sofern man überhaupt von einem „Schock“ reden kann! Denn dazu war die Abwärtsbewegung beim Ifo-Geschäftsklima in den ersten beiden Monaten dieses Jahres viel zu schwach. Spuren der Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn zeigen sich zwar nach wie vor beim Bau und beim Einzelhandel, gerade letzterer legt aber im März für die kommenden sechs Monate wieder mehr Zuversicht an den Tag.

Das verstärkt den Eindruck, dass die Steuererhöhung und die sonstigen fiskalischen Belastungen, denen die Verbraucher seit Januar ausgesetzt sind, die deutsche Konjunktur nur vorübergehend schwächeln lassen. Ähnliche Schlüsse ließen sich auch aus anderen Umfragen ziehen. So haben sich nicht nur die Konjunkturerwartungen von Analysten und Anlegern verbessert, die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung befragt werden. Auch die für den Handelsblatt Business-Monitor befragten Führungskräfte der Wirtschaft in Deutschland sind im März für die Standortbedingungen erneut zuversichtlicher geworden.

Ein Grund für den „starken und robusten Aufschwung“, den Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn angesichts der aktuellen Geschäftsklima-Zahlen sieht, sind die ausgesprochen guten Wachstumsdaten für das Schlussquartal 2006: Sie bedeuten viel Schwung für dieses Jahr, die Experten aus Instituten und Banken haben deshalb ihre Wachstumsprognosen nach oben geschraubt.

Rückgrat des Aufschwungs ist immer noch die Industrie. Bei ihr liegt das Geschäftsklima im März nur knapp unter dem im Dezember erreichten Höhepunkt. Und sie scheint angesichts der unveränderten Exporterwartungen zunehmend auf eine anziehende Inlandsnachfrage zu setzen. Eine wichtige Stellschraube sind dabei die Ausrüstungsinvestitionen. Ihr derzeitiger Boom wird nicht nur durch die Absatzchancen und den zurückliegenden Investitionsstau gestützt, sondern auch durch die bis zur Unternehmensteuerreform befristet besseren Abschreibungsbedingungen.

Weil teilweise auch Kapazitäten erweitert werden, dürfte die Nachfrage nach Arbeitskräften weiter zunehmen. Kommen mehr Menschen in Beschäftigung, steigt auch das für Konsumzwecke verfügbare Einkommen. Diese pro Kopf verbreiterte Basis einer anziehenden Binnenkonjunktur nützt dem Handel mehr als starke Lohnerhöhungen, in deren Genuss nur die jetzigen Arbeitsplatzbesitzer kommen. Und im Ergebnis wird die deutsche Wirtschaft damit auch weniger abhängig von der Auslandsnachfrage, ohne ihre errungene Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%