Kommentar zur Deutschen Bank
Gefallene Helden

Auf Basis stetiger Gewinne haben Anshu Jain und Jürgen Fitschen den Kulturwandel gepredigt. Jetzt brechen die Gewinne weg. Die Aktie rauscht in den Keller, Investoren sind verunsichert. Was bleibt vom Kulturwandel übrig?
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Kein Wunder, dass Jürgen Fitschen, der zusammen mit Anshu Jain die Deutsche Bank leitet, in letzter Zeit gegenüber Kritik etwas dünnhäutig war. Auch die in der Öffentlichkeit liebevoll gepflegte Debatte über die „Kultur“ seiner Bank dürfte ihm zuweilen mächtig auf die Nerven gegangen sein. Denn das überraschend früh veröffentlichte, überraschend schlechte Ergebnis fürs vierte Quartal 2013 zeigt: Bei der Deutschen Bank geht es derzeit nicht um kulturelle Feinheiten, sondern schlicht ums Geld.

Dabei dürfte die Investoren weniger der hohe Aufwand für juristische Probleme stören, der vor allem für den Verlust verantwortlich war. Denn sie schauen nach vorn. Und da wird sie die Schwäche im Kerngeschäft der Bank erheblich mehr stören.

Die Deutsche Bank hat ihr Geschäft seit langem auf einer recht schmalen Basis betrieben. Im traditionellen Banking ist sie vor allem im Heimatmarkt gut vertreten. Aber erstens ist Deutschland dafür ein schwieriger Markt, zweitens ist ihr Marktanteil zu Hause bescheiden und drittens lässt sich gerade bei den heute extrem niedrigen Zinsen mit schlichtem Geldverleihen nur schwer Geld verdienen.

Auf dieser schmalen Basis hat die Bank vor allem unter Josef Ackermann, dem Vorgänger von Fitschen und Jain, ein sehr gut laufendes Kapitalmarktgeschäft aufgebaut. Jain war dabei die entscheidende Figur: Er hat in London riesige Gewinne eingefahren und sich damit auch seinen heutigen Chefposten verdient. In den USA gilt die Bank von je her als „Traders shop“: als Geldhaus, das mehr vom Handel an den Märkten als von einer breiten Kundenbasis lebt.

Aber die Zeit hat sich geändert. In der Ära Ackermann gaben die Kapitalmärkte Rückenwind, wenn man von der Finanzkrise absieht: Aber die hat die ganze Branche getroffen und diejenigen zu Helden gemacht, die wenigstens ohne Staatshilfe überlebt haben.

Heute und wahrscheinlich auch in Zukunft bringen die Kapitalmärkte aber weit weniger Gewinn ein. Nach einer jahrzehntelangen Tendenz zu sinkenden Zinsen und steigenden Bewertungen hat sich in den USA schon 2013, in Vorwegnahme einer etwas anziehenden Geldpolitik, der Trend umgedreht. In Europa wird das in einigen Jahren auch passieren.

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Die fetten Jahre sind vorbei

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  • Mir kommen die Tränen!
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    Die "Deutsche Bank" machte also im 4. Quartal 1,3 Milliarden "Verluste". Dabei hat sie doch - angeblich - alles richtig gemacht!
    ■ Sie hat den Libor und Euribor manipuliert.
    ■ Sie hat die Devisenkurse und den Goldpreis manipuliert.
    ■ Sie handelte mit "Schrottpapieren".
    ■ Spekulierte mit Lebensmitteln und handelte mit Splittermunition.

    Sie ist eben eine "typische" deutsche Bank.
    Und dann ging auch noch das Investmentbanking zurück.
    Und jetzt musste sie auch noch eine Gewinnwarnung herausgeben.


  • Politik und gerichte haben ihren Anteil an den Schwierigkeiten der Deutschen Bank.
    Als Breuer auf Berichte in der Presse über Kirchs wirtschaftliche Schwierigkeiten hinwies, wurden er und die DBk für den Niedergang des Kirchimperiums verantwortlich gemacht, für den der Größenwahn des Herrn Kirch in Wirklichkeit verantwortlich war.
    Die Bafin stzt der Deutschen Bank ebenfalls zu und sorgt dafür, dass das Geld der DBk Brüssel als Strafe zufließt und nicht dem deutschen Finanzminister.
    Als das sorgt für Verunsicherung, letztlich nicht zum Nutzen Deutschlands.

  • Man muss sich vielleicht eine Sache anschauen. Die Deutsche Bank war einmal mit JP Morgan unter den weltweit führenden Banken. Irgendwann hat JP mit Chase fusioniert. In der Krise 2009 hat JP Morgan Chase noch Bear Stearns übernommen. Die Bank dominierte vorher schon, und danach erst recht die europäischen Märkte. Seit 2010 verdient sie wieder etwa 20 Mrd/p.a., wegen der Dominanz. Die amerikanische Regierung und die amerikanische Notenbank haben in der Krise die starken US-Banken wie JP Morgan weiter gestärkt - und den Markt um die schwachen Häuser (Lehman, Merill Lynch, Bear Stearns) bereinigt. Die Europäer haben nicht einmal die kleinste Schrottbude wie die IKB in Düsseldorf abgewickelt, sondern mit Steuergeld "kapitalisiert" und "gerettet", und zwar mit Hinweis auf den Lehman-Schock, der aber nur für die Europäer ein Schock war. Die europäischen Banken - auch die Deutsche Bank - sind nun abgestiegen in eine andere Liga. Der Wiederaufstieg ist eher unwahrscheinlich. Deshalb ist die Deutsche Bank am Ende einer Ära angekommen. Von der Commerzbank reden wir besser nicht - 96 % der Marktkapitalisierung verloren - für immer. Man vergleiche dazu die Börsenkurse und Marktkapitalisierungen von JP Morgan und BoA. Danke Josef, danke Angela, ein Dank auch an deren Berater Jens und Jörg, das habt Ihr toll gemacht.

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