Kommentar zur Elektronikmesse Ceatec
Die Japan AG hat Besseres verdient

Keine News, kein Sony und lausige PR – das ehemalige Mekka der Technikfreaks aus aller Welt, Japans Elektronikmesse Ceatec, ist ein Trauerspiel. Wie es besser geht, zeigt eine deutsche Messe: die Ifa.
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Meine Erwartungen waren schon niedrig, als ich am Dienstag Japans Technikschaufenster besuchte, die einst legendäre Elektronikmesse Ceatec. Aber was die Organisatoren sich dieses Jahr erlaubten, als Messe zu zeigen, machte mich traurig und wütend, so schlecht war es. Früher war die Messe das Mekka der Technik-Freaks.

Aus aller Welt kamen Journalisten, um heute die Zukunft von morgen zu sehen – so weit war Japan der Welt bei Handys und Flachfernsehern voraus. Aber in der heutigen Form ist die Messe tot. Schlimmer noch, die Organisatoren leisten Japans Unternehmen eine Bärendienst, weil sie keine Öffentlichkeit schafft. Die Japan AG hat Besseres verdient.

Zwei Hallen weniger als früher, keine News. Und viele ehemalige Stars und Höhepunkte hatten abgewinkt: Sony verzichtete auf einen Stand, ebenso die japanischen Mobilnetzbetreiber KDDI und Softbank, die in der jüngeren Vergangenheit mit tollen Ideen und Innovationen der Messe noch zu etwas Glanz verhalfen, als es mit der Ausstellung schon bergab ging. Der Autohersteller Nissan, der als erster Autohersteller der Welt an einer Elektronikmesse ausstellte, parkte dieses Mal auch keine Fahrzeuge in den Hallen der Makuhari-Messe.

Ok, mag man entschuldigend sagen, die Messe ist halt eingezwängt zwischen die Weltstars der Unterhaltungselektronik, die IFA in Berlin und die CES in den USA. Ok, sie positioniert sich neu, weg von den Endkunden, hin zum Unternehmenskunden. Aber unverzeihlich im Zeitalter der Globalisierung ist, dass die Messeveranstalter offensichtlich keinen Wert auf ein globales Medienecho legen, obwohl die Messe noch immer ein globales Schaufenster ist für Japans Firmen zu weltweiten Technikfans, die zu recht immer noch große Stücke auf die Innovationskraft japanischer Firmen setzen.

Mich störte es zwar nicht, dass die Veranstalter selbst die Übersetzung des Standplans nur auf Japanisch anboten. Aber es kommen noch immer Reporter aus aller Welt zur Ceatec, weil die dargebotene Technik noch immer toll ist. Schlimmer ist schon, dass die Messe sich dem Ein-mal-eins der Öffentlichkeitsarbeit verweigert. So wurden keine Highlights vorgestellt, um den Journalisten ein wenig die Arbeit zu erleichtern.

Schon fast komisch mutet bei dem Desaster schon an, dass die Messe nicht einmal ihren Namen richtig buchstabieren kann. „CAETEC“ anstelle von „CEATEC“ fand man hier wie dort. Japan ist zwar bekannt für seine Jagd nach Perfektion bei Produkten, aber wenn es ums Englische geht, herrscht bei den Veranstaltern anscheinend eine „Ach-was soll's-passt-schon“-Stimmung, sogar dann, wenn man den eigenen Namen auf Englisch buchstabiert.

Schade drum. Die Messe könnte mit ein bisschen mehr Mühe so viel mehr Weltöffentlichkeit für Japans Firmen schaffen, etwas was die Firmen gut gebrauchen können. Denn es gibt noch immer genug gute Ideen auf der Messe zu sehen, wenn man sie denn findet.

Hoffentlich kriegen die Veranstalter doch noch irgendwann die Kurve. So jedenfalls hat die Messe keine Zukunft. Denn die Konkurrenz arbeitet auch medial hochprofessionell wie man sehen kann, wenn man die Hallen verlässt. An den Säulen der Flure lädt die IFA für 2015 nach Berlin ein. Und sie trifft den Ton: „Official Partner of: The Future“ verspricht sie. Die Ceatec ist hingegen vorerst Geschichte.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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