Kommunikation
Deutsche Bank: Verwirrung statt Vertrauen

Irgendetwas ist schief gegangen bei der Deutschlands größter Bank. Wahrscheinlich jedenfalls. So viel erfahren die Aktionäre kurz vor der Hauptversammlung. Aber mehr auch nicht. Alles klar?
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Man kommt nicht umhin, sich an Franz Kafkas Roman "Der Prozess" zu erinnern: Josef K. wird Hals über Kopf verhaftet, vom Gericht vorgeladen - und weiß bis zuletzt nicht, was ihm vorgeworfen wird. Bei der Deutschen Bank scheint der Literaturklassiker Vorbildcharakter zu haben. Sie kündigt in einer mehr als verworrenen Pressemitteilung an, dass die Sicherheitsabteilung möglicherweise gegen interne oder gar rechtliche Vorgaben verstoßen hat und sich mittlerweile sogar die Finanzaufsicht eingeschaltet hat. Um was es aber genau geht - dazu schweigt sie sich wenige Tage vor der Hauptversammlung beharrlich aus.

Dabei haben die Spitzelskandale bei Telekom und Bahn eines doch gelehrt: Wer die Wahrheit scheibchenweise herausrückt, vergrößert den Schaden.

Es geht nicht nur darum, dass die Deutsche Bank unangenehme Nachrichten gerne am Wochenende oder zu später Stunde kommuniziert, um die Berichterstattung klein zu halten. Daran hat sich das Publikum gewöhnt: Auch beim jüngsten Streit über das Management der Fondstochter DWS kam die Taktik zum Einsatz.

Nein, es geht darum, dass gut 80 000 Mitarbeiter, die Aktionäre, vor allem aber Millionen von Kunden ein Recht darauf haben zu wissen, welche Praktiken die Deutsche Bank in Fragen der Konzernsicherheit pflegt. Wurden Betriebsräte bespitzelt? Ermittelten Detektive gegen Aufsichtsräte oder Manager? Wurden konzernweit Mitarbeiter überprüft? Gerieten auch Journalisten ins Visier der Sicherheitsabteilung? Selbst die Kunden dürfen sich - liest man die Mitteilung der Deutschen Bank genau - nicht in Sicherheit wiegen. Denn wirklich ausgeschlossen wird darin nichts.

Klar ist nur: Wir reden hier nicht über Lappalien. Wie gravierend der Verdacht ist, zeigt sich schon daran, dass die Finanzaufsicht eine Sonderprüfung eingeleitet hat. In einer Zeit, in der die Behörde eigentlich alle Hände voll zu tun hat, die Stabilität des Finanzsystems zu überwachen, eine bemerkenswerte Tatsache.

Bei der Deutschen Bahn musste Ex-Chef Hartmut Mehdorn nach immer neuen Spitzelvorwürfen den Hut nehmen. Um es klar zu sagen: Von einem solchen Szenario sind die Deutsche Bank und ihr Management meilenweit entfernt. Es soll hier auch nicht um Vorverurteilung gehen. Aber für Vertrauen sorgt die Kommunikation der Deutschen Bank nicht. Zumal Vorstandschef Josef Ackermann nicht müde wird, der Branche Transparenz zu predigen. Auch als interne Werte stellt die Bank Vertrauen, Verlässlichkeit, Fairness und Ehrlichkeit heraus. Spätestens seit Freitag dürften Kunden, Mitarbeitern und Aktionäre sich fragen, wie ernst das gemeint ist.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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