Konjunktur
Kröte verdaut

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Am Donnerstag wird es amtlich: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juni weiter gesunken, vermutlich werden noch rund 3,7 Millionen Menschen keine Arbeit haben. Das sind für sich genommen viele – aber deutlich weniger als in den vergangenen fünfeinhalb Jahren. Wie gut sich der Arbeitsmarkt derzeit entwickelt, ließ sich bereits gestern an einer Umfrage der Nürnberger Marktforscher GfK ablesen: Die Konsumenten sind noch optimistischer als im Monat zuvor. Hinter dem verbalen Monstrum „Anschaffungsneigung“ verbirgt sich die Kernbotschaft der Bürger: Sie sind in Einkaufslaune. Der entsprechende Index kletterte so stark wie zuletzt im Frühjahr des vergangenen Jahres.

Dazwischen lag eine große Delle:In den ersten drei Monaten 2007 sank der private Konsum um 1,4 Prozent – so heftig wie zuletzt im Rezessionsjahr 1993. Die Ursache hierfür liegt auf der Hand:Die Erhöhung der Mehrwertsteuer hat Kaufkraft entzogen, vor allem Gebrauchsgüter blieben in den Läden stehen. Allein die Zahl der Auto-Neuzulassungen sank in den ersten fünf Monaten um fast zehn Prozent im Vorjahresvergleich.

Dass die Umfragewerte der GfK nun seit März kontinuierlich nach oben klettern, deutet daher vor allem eines an: Die Konsumenten haben die Kröte Mehrwertsteuererhöhung geschluckt – und verdauen sie langsam, aber sicher. Wer mit einem deutlichen Anstieg des privaten Verbrauchs im Gesamtjahr rechnet, dürfte allerdings enttäuscht werden. Dazu war die Delle zu Jahresbeginn zu groß. Und dazu ist auch der Glaube der Verbraucher an den Aufwärtstrend nicht groß genug. Diese Warnung haben die Bürger in der aktuellen GfK-Umfrage trotz aller Euphorie nämlich auch gegeben – ihre Einkommenserwartungen sanken.

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