KONJUNKTUR
Tiefstapler

Die Zeiten der Gesundbeter sind vorbei. In der aktuellen Flaute haben viele Unternehmen und Branchenverbände ihre Erfahrungen damit gemacht, was passiert, wenn man die Krise zu früh für beendet erklärt. Darum stapeln sie jetzt lieber tief.

dih. Das führt dazu, dass die Konjunkturprognosen aus der Wirtschaft momentan recht skeptisch klingen. Wo Vorstände früher den Mittelweg zwischen dem besten denkbaren Szenario und dem „worst case“ wählten, prüfen sie heute, ob es nicht noch schlimmer kommen könnte als der „worst case“ – so erlebt es ein Unternehmensberater.

Grundsätzlich tun sie damit genau das Richtige. Schließlich gibt es für den sich anbahnenden Aufschwung ja noch erhebliche Risiken. Da wäre zunächst einmal die Politik: Wenn der Reformzug nicht bald ins Rollen kommt, wird der positive psychologische Impuls durch die Aussicht auf eine Entlastung der Bürger in tiefe Frustration umschlagen und die zaghafte Konsumbelebung ersticken. Zweitens ist es längst nicht ausgemacht, dass die USA im erhofften Maße die Rolle der Konjunkturlokomotive einnehmen werden. Und drittens ist da noch das Risiko, dass der Euro weiter steigt.

Doch die Vorsicht der Unternehmenslenker birgt auch Gefahren. Wer sich nur noch nach allen Seiten absichert, erkennt womöglich die Chancen nicht mehr, die eine Belebung der Konjunktur bietet. Wer Investitionen zurückhält, bis die Branche wieder wächst, nimmt in Kauf, dass die Konkurrenten mit Vorsprung ins Rennen um Aufträge gehen. Und wer günstige Gelegenheiten verstreichen lässt, sich durch den Kauf durch die Krise geschwächter Unternehmen zu stärken, ist vielleicht bald selber ein Übernahmekandidat. Realismus ist gesund – zu langes Abwarten kann tödlich werden.

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