Kontrolle der Hegde-Fonds
Mund zu voll genommen

Wie rasch die Zeit vergeht. Peer Steinbrück leitete gestern in Brüssel seine vorletzte Sitzung als Vorsitzender der EU-Finanzminister. Es ist erst wenige Monate her, da schwang sich der Berliner Kassenhüter zum Retter der von Heuschrecken bedrohten Finanzmärkte auf. Seine Initiative für mehr Transparenz bei den Hedge-Fonds wurde recht vollmundig als Schwerpunkt der deutschen EU-Präsidentschaft und des G8-Vorsitzes präsentiert.

Doch schneller, als ihm lieb sein kann, muss der Finanzminister zurückstecken. Seit dem gestrigen Ecofin-Treffen weiß Steinbrück, dass sein strategisches Ziel, einen freiwilligen Verhaltenskodex für die Branche aufzustellen, wohl nicht zu erreichen sein wird. Jedenfalls nicht im Rahmen der EU. Der Widerstand der Londoner City ist einfach zu groß.

Großbritannien denkt gar nicht daran, den fleißigen Fondsmanagern auch nur sanfte Fesseln anzulegen. Auf britischen Druck hin wurde die Erklärung der EU-Finanzminister so weit abgeschwächt, dass von einem Verhaltenskodex nun keine Rede mehr ist. Damit verliert das Dokument als Impulsgeber für die G8 seinen Wert. Wenn sich aber die EU nicht einig wird über die Frage, ob die Kapitalanlagegesellschaften an die Leine gehören oder nicht, wie will Berlin dann Unterstützung der USA und der übrigen G8-Staaten erwarten?

So ist das deutsche Projekt für mehr Transparenz bei Hedge-Fonds bislang nicht viel mehr als ein simpler, völlig unverbindlicher Appell eines Gutmenschen an Anleger, Banken und Regulierungsbehörden, die Risiken dieser hoch spekulativen Branche ernst zu nehmen. Der Finanzminister selbst rudert schon zurück. Man dürfe seine Initiative nicht mit zu hohen Erwartungen befrachten, sagte er gestern. Mit anderen Worten: Steinbrück hat den Mund zu voll genommen.

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