Konzern in Dauerkrise
Wie Toshiba den Börsentod verhindern kann

Neuer Tiefschlag für Toshiba: Nach Bilanzskandal und Insolvenz der US-Atomtochter fliegt Japans Vorzeigeunternehmen aus dem Nikkei. Der Verkauf der Chipsparte reicht nicht, um die Krise dauerhaft zu lösen. Ein Kommentar.
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TokioSchlimmer geht’s immer – das scheint das Motto des krisengebeutelten japanischen Traditionskonzerns Toshiba zu sein. Kurz vor der Aktionärsversammlung am Mittwoch erschwert ein bitterer Bieterkrieg den Verkauf der lukrativen Chipsparte, mit dem der Konzern die Pleite seiner amerikanischen Atomkraftwerkssparte Westinghouse finanziell ausgleichen will. Doch damit nicht genug: Nun kündigte die japanische Börse auch noch an, Toshiba am 1. August aus dem weltbekannten Nikkei-Index – und damit von der ersten in die zweite Sektion der Tokioter Börse absteigen zu lassen.

Toshiba musste erneut die Vorlage seiner Bilanz verschieben und verpasst damit die Frist für seine Jahresbilanz, den 30. Juni. Das allein rechtfertigt nicht mehr den Verbleib im Nikkei. Doch es kam noch deftiger: Die Börse gab dem defizitären Konzern eine Gnadenfrist bis März 2018, um sich wieder ein positives Eigenkapital aufzubauen und so einen endgültigen Rückzug von der Börse (Delisting) zu verhindern.

In den kommenden Wochen wird die Börse darüber hinaus entscheiden, ob sich Toshiba grundlegend reformiert hat. 2015 war aufgeflogen, dass Manager in einzelnen Konzernsparten über Jahre hinweg die Bilanzen geschönt hatten. In diesem Jahr legte Toshiba der Börse nun seine Reformen vor. Fällt deren Urteil negativ aus, wird Toshiba vom Kurszettel genommen – egal wie gesund Toshiba finanziell auch sein mag.

Bis vor einiger Zeit hätten die meisten Experten eher daher darauf gewettet, dass die Aufseher Toshiba ebenso durchwinken würden wie andere Missetäter, namentlich Olympus. Wirtschaftlich ging es schließlich bergauf. Doch seitdem das Management im Dezember 2016 neue Milliardenverluste seines US-Atomkraftwerksbauers Westinghouse ankündigte, gilt der Ausgang als offen.

Schon damals wunderte sich die Japan AG, wie die Führung von Toshiba die Probleme von Westinghouse so lange übersehen konnte. Bisher konnten sich die Konzernführung und ihr Buchprüfer Pricewaterhouse Coopers Aarata nicht einigen, ob Toshiba die Verluste seiner Atomsparte rechtzeitig bilanziert hat. Die Auditoren haben daher dieses Jahr weder die vergangenen Quartalsbilanzen noch den Jahresabschluss abgezeichnet. Mit Spannung wird nun erwartet, ob sie bis zur neuen Frist am 10. August tun.

Doch selbst wenn Toshiba dem Börsentod noch einmal von der Schippe springen sollte, ist eines klar: Um eine Zukunft zu haben, reichen die geplanten Verkäufe des Tafelsilbers nicht aus. Das Management muss beweisen, dass es den Restkonzern langfristig skandalfrei führen kann. Sonst wird Toshiba nicht aus seiner Dauerkrise herauskommen.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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