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Kopftuch - und wenn schon?

Jeder soll nach seiner Facon selig werden - das Urteil des Bundesverfassungsgerichts könnte am Ende zu weniger Religionsfreiheit führen.

Jeder soll nach seiner Facon selig werden – das ist der gedankliche Kern der Religionsfreiheit. Im Namen dieses Grundrechts hat das Bundesverfassungsgericht heute den Ball an die Länder zurück gespielt und diese ermächtigt, ihren muslimischen Lehrerinnen das Tragen von Kopftüchern zu verbieten. Sie müssen nur vorher die entsprechende gesetzliche Grundlage schaffen. Doch mit seinem spektakulären Urteil hat Karlsruhe dem Grundrecht einen schlechten Dienst erwiesen: Das Ergebnis ist weniger Religionsfreiheit, nicht mehr.

Das Kopftuch ist zwar auch Symbol weiblicher Unterdrückung im Islam, aber es ist deshalb nicht schon eine Art Hakenkreuz des religiösen Extremismus. Viele Musliminnen tragen es freiwillig und mit Stolz – unter ihnen die Lehrerin Fereshta Ludin. Jedem Schüler ist es zumutbar, sich mit Frau Ludins Freiheit, sich nach ihren religiösen Vorstellungen zu kleiden, auseinander zu setzen. Das kann der Erziehung nur nützen. Und der Achtung vor dem Recht, nach eigener Facon selig zu werden, auch.

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