Landesbanken
Kommentar: Im Gegenwind

Das Tauziehen der öffentlich-rechtlichen Spitzeninstitute mit der Ratingagentur Standard & Poor’s ist ein Vorgeschmack auf das, was nach dem Wegfall der Staatshaftung auf die Landesbanken zukommt.

Willkommen, liebe Landesbanken, im rauen Gegenwind der freien Kapitalmärkte! Das Tauziehen der öffentlich-rechtlichen Spitzeninstitute mit der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) ist ein Vorgeschmack auf das, was nach dem Wegfall der Staatshaftung auf die Landesbanken zukommt. Ab Mitte 2005 gehen die kuscheligen Zeiten der Refinanzierungsvorteile, mit deren Hilfe sie den Privatbanken viele hübsche Geschäfte abjagen konnten, zu Ende. Das Bankgeschäft wird dann für die Landesbanken ebenso schwierig wie für die Privatbanken, die sich gerade von einer existenzbedrohenden Krise zu erholen beginnen.

Auch große Privatbanken hatten auf dem Höhepunkt der Krise ihre liebe Not mit den strengen Analysten der Ratingagenturen. Genau wie der Versicherungsriese Münchener Rück, der sich auf Druck von S&P zum Vorziehen einer Kapitalerhöhung entschied.

Insofern ist es völlig normal, dass nun auch die Landesbanken ihre ersten Scharmützel mit den Ratingagenturen auszufechten haben. Es dürfte nicht der letzte Konflikt dieser Art sein. Deshalb täten die Landesbanken gut daran, nicht das Rating an sich, sondern nur die dilettantische Kommunikationspolitik von S&P aufs Korn zu nehmen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass S&P Schlagzeilen macht, weil die Ratingmethoden und Veröffentlichungstermine zu Missverständnissen führen. Der Zweck des Ratings – mehr Transparenz an den Märkten – wurde damit wiederholt verfehlt. S&P wäre gut beraten, auf das starrsinnige Festhalten an dem Ratingtermin 24. November zu verzichten. Nicht etwa, um sich weich klopfen zu lassen. Sondern um Klarheit darüber zu erhalten, wie sich die Landesbanken künftig aufstellen wollen. Man kann nicht ernsthaft etwas bewerten, was es noch nicht gibt.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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