Lebensversicherung
Hohle Versprechen

Die Lebensversicherung deutscher Prägung könnte trotz vieler Unkenrufe eine rosige Zukunft haben. Schließlich sind die Produkte bis heute mit vergleichsweise hohen Garantiezinsen ausgestattet, also ganz anders als Policen der angelsächsischen Konkurrenten, die viele als Alternative preisen.

HB DÜSSELDORF. Solche Garantien dürften angesichts der Umschichtung von staatlicher in private Vorsorge für viele Sparer wichtiger werden. Gerade für Geringverdienende ist eine planbare Altersvorsorge von hoher Bedeutung. Für viele Rentner ist die private Altersvorsorge heute noch eher das Sahnehäubchen auf dem Alterseinkommen. Künftig wird sie ein zentraler Bestandteil. Geringverdienende haben von möglicherweise hohen Renditen auf kleine Sparraten aber nichts, wenn auf der anderen Seite hohe Verluste drohen.

Wenn die deutschen Lebensversicherer die Garantie in den Mittelpunkt ihrer Werbung stellen, dann müssen sie in diesem breiten Kundensegment keine Angst vor Konkurrenten der Bank- oder Fondsbranche haben. Dies gilt aber nur unter einer Voraussetzung: Die Assekuranz muss sich stärker an Bedürfnissen ihrer Kunden orientieren.

Doch hier hat sich die lange vom Erfolg verwöhnte Assekuranz bisher taub gestellt. Aber dies kann sie sich nicht länger leisten. Früher verkauften sich die Policen dank der steuerlichen Bevorzugung durch den Gesetzgeber fast von allein. Die hohen Provisionen für die Vertreter schmierten den Motor zusätzlich. Schon aus Eigeninteresse verkauften die Vertreter möglichst viele kapitalbildende Lebensversicherungen. Alternativprodukte boten sie nur selten an.

Allerdings machen es ihnen die meisten Kunden auch leicht. Viele Verbraucher befassen sich nur ungern mit Geldangelegenheiten. Sie wenden mehr Zeit für den Kauf eines Autos auf als für die Regelung ihrer Altersvorsorge, ganz zu schweigen von unabhängiger Beratung, für die kaum jemand einen Cent erübrigt. Stattdessen geben sich viele Verbraucher der gefährlichen Illusion hin, ein Vertreter eines Unternehmens berate tatsächlich unabhängig. Die Realität ist eine andere. Kein Mensch würde doch erwarten, dass ein VW-Verkäufer einem Kunden zum Kauf eines Opels rät.

Für etwa die Hälfte der Verbraucher war die Lebensversicherung gleichwohl die richtige, für die andere aber eben die falsche Wahl. Auf Grund von Unbilden, sei es Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Scheidung, konnten sie die hohen Raten nicht aufbringen. Flexiblere Erwerbsbiografien, teils unterbrochen von Phasen der Arbeitslosigkeit, erfordern flexiblere Vorsorgeformen. Hier müssen die Lebensversicherer reagieren.

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