Microsoft
Brachiales Manöver

Mit einem rabiaten Ultimatum versuchten Microsoft und Carl Icahn, Yahoo doch noch in die Knie zu zwingen.
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24 Stunden räumten Microsoft und Carl Icahn dem Yahoo-Verwaltungsrat ein, um das Suchmaschinengeschäft zu verkaufen und den Internet-Konzern aufzuspalten. 24 Stunden – nach mehr als sechs Monaten erfolgloser Verhandlungen und zunehmend verhärteter Fronten. Dass Yahoo das Angebot mit der Pistole auf der Brust empört ablehnt, dürfte niemanden überraschen. Auch Icahn und Microsoft-Chef Steve Ballmer nicht.

Die beiden Partner hatten wohl ohnehin etwas anderes im Sinn. Das Ultimatum scheint vielmehr ein Baustein ihrer Strategie zu sein, Yahoo doch noch als Ganzes in die Arme Microsofts zu zwingen. Einerseits wollen Ballmer und Icahn damit nochmals den Druck auf das Management und den Verwaltungsrat des Konzerns erhöhen, noch vor dem 1. August klein bei zu geben. An diesem Tag findet die Hauptversammlung statt, auf der Icahn die Mitglieder des Verwaltungsrats durch eigene Vertraute ersetzen und anschließend den Verkauf an Microsoft durchpeitschen will.

Andererseits wollen sie offenbar den Yahoo-Aktionären signalisieren: Seht her, sie sind immer noch nicht kompromissbereit – obwohl der Aktienkurs inzwischen rund zehn Dollar unterhalb der letzten Microsoft-Offerte in Höhe von 33 Dollar je Aktie notiert. Denn Icahn und Ballmer sind auf die Unterstützung weiterer Investoren auf der Hauptversammlung angewiesen. Ob sie diese bekommen, ist noch völlig offen.

Ob diese Strategie aufgeht, darf aber bezweifelt werden. Zwar signalisiert die Yahoo-Spitze bei aller Entrüstung ihr Entgegenkommen: Der Verkauf sei zu einem Preis von mindestens 33 Dollar je Aktie möglich und eine Einigung noch in diesem Monat möglich. Der Konzern hat aber schon öfter solch versöhnliche Signale gesendet, ohne dass daraufhin Bewegung in die Verhandlungen gekommen wäre. Diese Verlautbarungen dienen wohl eher dazu, den eigenen unzufriedenen Anteilseignern Verhandlungsbereitschaft zu signalisieren.

Zudem ist es durchaus fraglich, dass Icahn und Ballmer mit derart brachialen Manövern weitere Aktionäre auf ihre Seite ziehen. Auch bei den Yahoo-Mitarbeitern dürften die beiden Partner damit keine neuen Freunde gewinnen. Auf diese ist Microsoft im Falle einer Übernahme aber angewiesen, wenn das Großprojekt ein Erfolg werden soll. Ob es soweit kommt, wird sich voraussichtlich erst am 1. August entscheiden – trotz allen Geplänkels im Vorfeld.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

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