Motorola
Schritt in Richtung Bedeutungslosigkeit

Motorola Inc. hat vor dem milliardenschweren Firmenjäger Carl Icahn die Waffen gestreckt. Der traditionsreiche US-Technologiekonzern aus Schaumburg in der Nähe von Chicago wird seine Handysparte abspalten und im kommenden Jahr separat an die Börse bringen. Das ist kein unternehmerischer Geniestreich.
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PORTLAND. Motorola Inc. hat vor dem milliardenschweren Firmenjäger Carl Icahn die Waffen gestreckt. Der traditionsreiche US-Technologiekonzern aus Schaumburg in der Nähe von Chicago wird seine Handysparte abspalten und im kommenden Jahr separat an die Börse bringen. Das ist kein unternehmerischer Geniestreich, sondern ein weiteres Beispiel dafür, dass schwache Manager auch die beste Firma klein kriegen.

Motorola war einst Weltmarktführer in der mobilen Kommunikation. Aber in der mentalen Isolierung des Mittleren Westens ruhte sich der Konzern zu lange auf den eigenen Lorbeeren aus und verschlief den Fortschritt der internationalen Konkurrenten. Gründerenkel Chris Galvin, der das Unternehmen bis 2003 führte, versuchte die Wende mit einer Radikalkur: Tausende von Arbeitsplätzen wurden gestrichen und Firmenteile wie das Halbleitergeschäft entflochten. Aber für ihn war es zu spät. Unter dem Druck eines stürzenden Aktienkurses musste Galvin seinen Hut nehmen. Er wurde von dem Marketing-Schaumschläger Ed Zander abgelöst. Zu dessen Glück hatten die Handy-Entwickler bereits ein neues Handymodell in der Schublade, dass sagenhaft erfolgreich werden sollte: Das superflache Razr.

Zander surfte die Erfolgswoge des Razr, das Milliardengewinne brachte und Motorola auf dem weltweiten Handymarkt auf die zweite Position hinter Nokia katapultierte. Er strich Millionengehälter ein, aber zeigte sich hilflos, als der Razr-Boom verrauchte. Anfang des Jahres löste ihn Greg Brown ab, der nicht nur Verluste und einen sinkenden Aktienkurs, sondern auch den Großaktionär Icahn erbte, der über sechs Prozent der Anteile kontrolliert und die Aufspaltung des Unternehmens forderte.

Nach dem Absturz des Motorola-Kurses ist Icahns Position unter Wasser und ob ihm die Aufspaltung Gewinne beschert, ist nach der lauen Börsenreaktion auf die Ankündigung heute mehr als fraglich. Die vor zwei Jahren noch dominierende Handysparte ist im freien Fall. Unter den derzeitigen Bedingungen will sie niemand haben, sie ist praktisch führungslos und ihre Position auf dem Weltmarkt ist schwach. Würde sie indessen bis 2009 einen weiteren Hit wie das Razr aus dem Hut zaubern, wäre die Abspaltung für Motorola Irrsinn. Von den beiden übrigen Konzernbereichen, Empfangsgeräte für Kabelfernsehen und Ausrüstung für privaten und staatlichen Mobilfunk, macht nur der letztere ansehnliche Gewinne. Die Aufspaltung markiert für Motorola nicht die Rückkehr zu altem Glanz, sondern ein großer Schritt auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent

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