Nach Risikoabschirmung
Kommentar: WestLB 5.0

Das war mal wieder – wie schon so oft in den vergangenen Monaten – eine Rettung in allerletzter Minute. Nur durch eine Risikoabschirmung über fünf Milliarden Euro durch das Land NRW konnte die Düsseldorfer Landesbank vor einem Abrutschen über die Klippe bewahrt werden. Schon ist die Rede vom „Modell 5.0“.
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Das war mal wieder – wie schon so oft in den vergangenen Monaten – eine Rettung in allerletzter Minute. Nur durch eine Risikoabschirmung über fünf Milliarden Euro durch das Land NRW konnte die Düsseldorfer Landesbank vor einem Abrutschen über die Klippe bewahrt werden. Schon ist die Rede vom „Modell 5.0“ – weil die Sparkassen als Miteigentümer zunächst nicht zur Kasse gebeten werden und das Finanzministerium erst einmal ganz alleine in die Bresche gesprungen ist. Fest steht: Ohne den „Support“ des Landes - wie es die Rating-Agenturen so schön formulieren - wäre die Bank schon längst weg vom Fenster. Auf eigenen Füßen kann die WestLB jedenfalls auf absehbare Zeit nicht stehen.

Doch die Bank am Rhein steht mit ihren Problemen nicht alleine da. Fast alle öffentlich-rechtlichen Institute durchleben in der Finanzkrise die schwerste Bewährungsprobe seit ihrem Bestehen. Dass sie sich mit dem Subrime-Thema besonders schwer tun, liegt in ihrer Historie. Denn die Saat für den Misserfolg der Banken wurde schon im Sommer 2005 gelegt. Damals fielen auf Drängen der Brüsseler Wettbewerbshüter die staatlichen Ausfallgarantien weg, die bis dahin Spitzenratings garantiert hatten. Sich kurzfristig billiges Geld am Kapitalmarkt zu beschaffen und es langfristig teuer zu verleihen, dieses todsichere Geschäftsmodell musste vor drei Jahren begraben werden. Doch mit der Umsetzung neuer Strategien ließen sich die Häuser viel Zeit, viele Chancen wurden verbummelt. Statt echtes Kundengeschäft aufzubauen, verloren sich die Landesbanken in den Weiten der strukturierten Wertpapiere am globalen Kapitalmarkt.

Jetzt rächt es sich, dass wichtige Weichenstellungen ausgeblieben sind. Die Konsolidierung in der Branche wurde nie richtig angegangen, mal mauerten die Landesregierungen als Ton angebende Eigentümer, dann wieder waren die Kandidaten den Sparkassen nicht recht. Das Grundübel widerstreitender Interessen der Politik und der Sparkassenverbände hat die Häuser gelähmt. Unter dem Eindruck immer neuer Milliardenlöcher in den Bilanzen würden sich heute zwar viele Sparkassenchefs und Ministerpräsidenten quer durch die Republik gerne vom Acker machen, Fusionen sind derzeit aber nicht zu machen. Jeder misstraut dem anderen, weil es an Transparenz in den Büchern mangelt. Deshalb werden SachsenLB, WestLB und vielleicht noch manch anderes Haus zunächst unter die Fittiche des Staats schlüpfen – und somit vom Steuerzahler durchgefüttert werden.

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