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Zurück ins Mittelalter

Machen Computerspiele gewaltbereit? Oder hecheln brutale Spiele nur der gnadenlosen Wirklichkeit hinterher? Wenn man einer Infratest-Umfrage glaubt, eher letzteres.

Der Spielehersteller Take2 hat anläßlich des Starts der Ritter-Simulation "Stronghold 2" gefragt, wie die Deutschen zum mittelalterlichen Rechtssystem stehen. Nicht nur während der Inquisition, auch sonst war es im Mittelalter durchaus üblich, genehme Aussagen durch leichtes Nachhelfen zu bekommen. Auch in dem Spiel "Stronghold" kann der virtuelle Burgherr in seinem eigenen Folterkeller zur Sache gehen, wenn er es für nötig hält.

Das Ergebnis der repräsentativen Umfrage gibt zu denken. Rund 40 Prozent der Deutschen (Ostdeutsche zu 58,4 Prozent) möchten die Todesstrafe zurück. Für 19,9 Prozent wäre bei "Kleinigkeiten" wie Steuerhinterziehung der Pranger die passende Antwort. Und zehn Prozent fänden die Erzwingung von Geständnissen durch Folter mit verkrüppelnden Daumenschrauben oder der tödlichen Streckbank akzeptabel. Insgesamt glauben fast 55 Prozent, dass mittelalterliche Strafen besser abschrecken als unser heutiges Rechtssystem.

Die real existierende Gewaltbereitschaft ist erschreckend. Es erscheint jedenfalls brutaler, sich das Mittelalter in die Gerichte zurück zu wünschen, als es im Computer realistisch zu simulieren. Man könnte glauben, Amnesty International habe es nie gegeben.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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