Nordex
Bereit zur Aufholjagd

Mit einer kräftigen Expansion wollte der Windkrafthersteller Nordex die Konkurrenz abhängen und vom Wachstum der Branche profitieren. Dann kam die Krise und das Wachstum fiel deutlich schwächer aus als erwartet. Vorstandschef Richterich muss auf die Kostenbremse treten.
  • 0

FRANKFURT. Der weltweite Windmarkt steckt in der Krise und mit ihm die Nordex AG. Der Windkraftanlagen-Hersteller musste seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr zusammenstreichen. Statt eines Umsatzplus von 50 Prozent wie in den Vorjahren rechnet Vorstandschef Thomas Richterich nun mit einem Wachstum von zehn bis 15 Prozent.

Im Vergleich zu einigen Wettbewerbern und anderen Wirtschaftszweigen befindet sich Nordex, an der die Unternehmerin Susanne Klatten beteiligt ist, in einer Luxusposition, wie es Richterich ausdrückt.

Entspannt zurücklehnen kann sich Richterich aber nicht. Denn in Erwartung eines kräftigen Wachstums hat sich das Unternehmen breiter aufgestellt. Die Kapazität wurde ausgebaut, und vor allem wurden neue Mitarbeiter eingestellt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöhten sich die Personalausgaben im ersten Quartal um mehr als die Hälfte auf 26 Millionen Euro. Jeder zehnte eingenommene Euro fließt damit auf die Gehaltskonten der 2 200 Beschäftigten.

Auch wenn Richterich auf die Kostenbremse tritt und den Bau eines neuen Werks in den Vereinigten Staaten verschoben hat, ein Abbau von Arbeitsplätzen kommt für ihn nicht infrage. Er will gerüstet sein für das künftige Wachstum.

Und dafür muss Nordex größer werden. Denn das Unternehmen mit Sitz in Rostock ist trotz seines für dieses Jahr erwarteten Umsatzes von 1,2 Milliarden Euro nur ein kleiner Spieler. Dominiert wird der Markt von den Schwergewichten Vestas, General Electric und Enercon. In Deutschland belegt Nordex mit einem Marktanteil von 2,2 Prozent nur den fünften Platz, weltweit mit 3,8 Prozent Rang zehn.

Nordex muss also schneller als die Konkurrenz wachsen, will die Gesellschaft nicht abgehängt werden. Dafür ist der Vorstandschef bereit, auf Profite zu verzichten. Wegen der hohen Aufwendungen für die Expansion wird die operative Marge 2009 hinter dem Vorjahreswert von 5,3 Prozent zurückfallen. Bei einigen Analysten kommt die Strategie nicht gut an, können doch einige Konkurrenten trotz Krise ihre Rentabilität verbessern. So peilt der Rivale Repower, mittlerweile in der Hand der indischen Suzlon, für dieses Jahr eine Steigerung seiner operativen Marge auf 7,5 bis 8,5 Prozent an.

Auch wenn die Marge leidet, zu dem von Richterich eingeschlagenen Wachstumskurs gibt es keine Alternative. Denn ohne entsprechende Größe kann Nordex nur zu schlechteren Konditionen bei seinen Lieferanten einkaufen. Wie wichtig der Größenvorteil ist, zeigt sich gerade jetzt: Wegen der von der Finanzkrise ausgelösten Überproduktion von Windkraftanlagen verlangen viele Kunden Preisabschläge – und bekommen sie. Nach Einschätzung von Branchenkennern liegen die Preisnachlässe bei rund zehn Prozent. Die Schwergewichte können diese leichter an ihre Vorlieferanten weiterreichen.

Eine Sorge ist Richterich zumindest los. Mit der Ankeraktionärin Klatten gilt Nordex nicht mehr als Übernahmekandidat. Er kann sich in der Krise voll und ganz auf die Aufholjagd konzentrieren.

Kommentare zu " Nordex: Bereit zur Aufholjagd"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%